Au:Ein Advent ohne Weihnachtsmarkt

In diesem Jahr soll weder ein Winterfest noch der Märchenbazar stattfinden - die Lokalpolitiker wollen zuvor in einer Einwohnerversammlung diskutieren, wie intensiv man den Mariahilfplatz neben den Dulten überhaupt bespielen will

Von Patrik Stäbler, Au

In diesem Advent wird auf dem Mariahilfplatz voraussichtlich kein mehrwöchiger Weihnachtsmarkt stattfinden - also weder das Winterfest in der Au noch der Märchenbazar. Dafür plädiert der Bezirksausschuss (BA) Au-Haidhausen, der solche Veranstaltungen zwar nicht final genehmigt, dessen Votum aber großes Gewicht bei der Entscheidung der Stadtverwaltung hat. Zwei Anträge zu entsprechenden Veranstaltungen waren denn auch beim Bürgergremium eingegangen. Zum einen vom Verein Wannda, der die Zelte seines Märchenbazars auf dem Mariahilfplatz aufschlagen will - was bei der jüngsten Bürgerversammlung noch eine knappe Mehrheit der Anwesenden befürwortet hat. Zum anderen bemühten sich auch die Organisatoren des Winterfests in der Au um eine erneute Genehmigung, nachdem sich der BA im Vorjahr mit 13 zu zwölf Stimmen für sie und gegen den Märchenbazar ausgesprochen hatte.

Aufgrund der Pandemie hatte das Winterfest seinerzeit zwar nicht stattfinden können. Die Entscheidung des Bezirksausschusses befeuerte jedoch die Debatte darüber, inwieweit der Mariahilfplatz generell für weitere Veranstaltungen nebst den Dulten und dem Wochenmarkt geöffnet werden soll. Infolge eines SPD-Antrags beschlossen die Lokalpolitiker im Juni, eine Einwohnerversammlung zu dem Thema abzuhalten, und zwar "wenn möglich noch vor der Sommerpause". Allein daraus wurde nichts; vielmehr sei man bei der Terminsuche "aufgrund der Corona-Auflagen und fehlender personeller sowie organisatorischer Kapazitäten auf Seiten der Stadt" inzwischen beim 24. November gelandet, sagte BA-Vorsitzender Jörg Spengler (Grüne). Um der Einwohnerversammlung nicht vorzugreifen "und die Stimmung nicht zusätzlich anzuheizen", schlug er vor, heuer keine Veranstaltung auf dem Mariahilfplatz zu erlauben. Und diese Position fand im Bezirksausschuss letztlich eine breite Mehrheit.

Wobei Grünen-Sprecher Arnost Štanzel klarstellte, dass seine Fraktion grundsätzlich für eine Belebung des Mariahilfplatzes sei. Auch den Konzepten für das Winterfest und den Märchenbazar stehe man positiv gegenüber. Jedoch wollten die Grünen die Einwohnerversammlung "nicht ad absurdum führen, indem wir bereits heute eine Veranstaltung auf dem Mariahilfplatz erlauben, die kurz nach der Versammlung starten würde", sagte Štanzel. Zudem brauchten die Veranstalter frühzeitig Planungssicherheit, weshalb man "schweren Herzens" für eine Ablehnung ihrer Anträge plädiere. Dies begrüßten CSU und SPD, die zuletzt stets gegen weitere Veranstaltungen auf dem Mariahilfplatz gestimmt hatten. "Ich finde es voll okay, wenn wir uns die Zeit nehmen, uns Gedanken zu machen, was wir uns dort vorstellen können", sagte Andreas Micksch (CSU). Das Ziel der Stadtteilvertreter müsse es sein, einen allgemeingültigen Kriterienkatalog für Veranstaltungen auf dem Mariahilfplatz zu erstellen. Über diesen werde das Gremium voraussichtlich Anfang nächsten Jahres diskutieren, kündigte Spengler an.

Kritik an dem Vorgehen kam von der Linken. "Ich finde es schade, dass der Märchenbazar in diesem Jahr nicht die Chance kriegt, uns zu präsentieren, wie das auf dem Mariahilfplatz aussehen würde", sagte Brigitte Wolf (Linke). Sie verwies auf den Beschluss der Bürgerversammlung, an den auch eine Vertreterin des Vereins Wannda erinnerte, die abschließend das Wort ergreifen durfte. "Die Mehrheit der Bürger war dafür, und ich würde mich freuen, wenn wir eine Chance bekommen", sagte sie. Ihr Wunsch fand jedoch kaum Gehör: Gegen zwei Stimmen der Linken beschloss der Bezirksausschuss die Ablehnung der beiden Anträge.

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