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Altstadt:Je weniger, desto besser

Der Bezirksausschuss begrüßt das Konzept für eine autofreie City - glaubt aber nicht an das Verschwinden des Verkehrs

Von Nicole Graner, Altstadt

Die Landeshauptstadt München nennt ihr Parkraumkonzept für die Innenstadt "Autofreie Altstadt". Geht es also ganz ohne Autos? Die Überschrift sei eigentlich ein "Etikettenschwindel", sagt Stefan Blum (CSU) im Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel. Die Stadt wolle deutlich machen, dass sich jetzt wieder etwas bewege. "Eine autofreie Altstadt wird es nicht geben", sagt er. "Autoreduziert trifft die Sache eher." Und er skizziert die Entwicklung in der Altstadt. In den letzten 60 Jahren habe sich viel verändert, die Fußgängerzone sei gekommen und stetig größer geworden. Was jetzt die Verwaltung vorschlage, so Blum, sei die "logische Fortführung dieses Prozesses" und absolut zu begrüßen.

Der BA hat sich in der jüngsten Sitzung mit dem vorgelegten, stolze 172 Seiten umfassenden Entwurf des Referats für Stadtplanung und Bauordnung beschäftigt. Dieser sieht vor, in mehreren Stufen und in einem Zeitraum von bis zu fünf Jahren den Kfz-Verkehr in der Altstadt und am Altstadtring "zugunsten von mehr Fuß- und Radverkehr, von öffentlichen Verkehrsmitteln und mehr Aufenthaltsqualität zu reduzieren".

In einer ersten Stufe sollen zum Beispiel in der sogenannten Blauen Zone, also in der Altstadt-Nordwest, die Parkgebühren in den Abendstunden angeglichen werden. Die Parkgebühr beträgt an Werktagen (Montag bis Samstag) von 8 bis 23 Uhr 2,50 Euro in der Stunde. Die Höchstparkdauer ist auf zwei Stunden beschränkt.

Ob "autofrei" oder "autoreduziert", an den Wortbedeutungen wollte sich Phillippe Louis von den Grünen nicht aufhängen. Solange ein gutes Konzept bei allem herauskomme, sei ihm der Begriff "egal". Er könne aber auf jeden Fall mit dem Entwurf der Stadt mitgehen. Auch Jörg Hoffmann (FDP) lobte den Entwurf und die "sehr ausgewogene Herangehensweise". Die Angleichung der Parkgebühren sei eine "wichtige Lenkungsfunktion". Der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel stimmte der Vorlage der Stadt zu. Vor allem deshalb, weil durch die geplanten Maßnahmen eine Reduzierung des Kfz-Verkehrs auf den Zufahrtsstraßen im Lehel möglich werde.

Ergänzungswünsche hatte das Gremium aber doch. Der BA forderte, dass sich die Reduzierung des Verkehrs in der Altstadt nicht auf die Park- und Verkehrssituation der umgebenden Gebiete auswirken solle. Die Beteiligung des örtlichen Bezirksausschusses an der Entwicklung des Parkraumkonzepts ist allen Fraktionen wichtig. Bei allen weiteren Schritten solle er daher "frühzeitig" mit eingebunden werden.

Um seiner Position Ausdruck zu verleihen, entschied sich der BA für die Wortwahl "autoreduziert". Wenngleich er den Begriff "autoreduziert" dann in einem Punkt des Wunschkatalogs nicht mehr benutzte. Der BA fordert "die Installation eines geeigneten Systems im Straßenraum, um auf die autofreie Altstadt hinzuweisen und einfahrenden Verkehr möglichst zu vermeiden".

© SZ vom 06.11.2020
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