Altstadt Das vernachlässigte Stück Altstadt

Bach mit Straßencafés: Für Verbesserungen an der Grünanlage gibt es schöne Vorschläge. Dass sie bald realisiert werden, ist wenig wahrscheinlich.

(Foto: Catherina Hess)

Anwohner der Herzog-Wilhelm-Straße beklagen Belästigungen durch Drogenmilieu und Partyszene. Die Behörden versprechen Abhilfe

Von Alfred Dürr, Altstadt

Der Grünstreifen, der sich entlang der Herzog-Wilhelm-Straße hinzieht, gilt als ein Stück vergessene Stadt. Denn die Strecke zwischen Sendlinger-Tor-Platz und Stachus ist alles andere als eine Idylle. Obdachlose, Drogenabhängige, Bettler, Alkoholiker und lärmende Partygänger belästigten Anwohner in unzumutbarer Weise, meinen die CSU-Stadträte Richard Quaas und Hans Theiss. In der Antwort auf deren Anfrage an den Oberbürgermeister verspricht die Verwaltung Abhilfe.

Die zuständigen Dienststellen verweisen auf eine Reihe von Aktivitäten, um die Situation an der Herzog-Wilhelm-Straße zu verbessern. So gilt für 73 Personen, die wegen Drogenkonsums aufgefallen sind, ein Aufenthaltsverbot. Streetworker sind regelmäßig unterwegs, um Drogenabhängige gegebenenfalls an spezielle Fach- und Behandlungseinrichtungen zu vermitteln.

Das Baureferat hat zudem den Reinigungsturnus für die Grünanlage verstärkt. Der Zustand der Flächen werde auch immer wieder stichprobenartig überprüft, teilt die Behörde mit. Bei Bedarf werde man jeweils aktiv, um Verschmutzungen zu beseitigen.

Die Abteilung Gartenbau verweist auf aktuelle Planungen zur Aufwertung der Anlage inklusive des Spielplatzes. Nach der Sommerpause soll dem Bezirksausschuss Altstadt-Lehel ein erstes Konzept als Diskussionsgrundlage vorgestellt werden.

Schon seit längerem gibt es Vorschläge, den unterirdischen Stadtbach frei zu legen und zum Bestandteil der Grünanlage an der Herzog-Wilhelm-Straße zu machen. An den Ufern könnten Straßencafés den neuen Park bereichern. Zu diesem Thema liegen auch bereits Stadtratsanträge von verschiedenen Fraktionen vor.

Dass allerdings eine spektakuläre Parklösung mit einem fließenden Bach in der Mitte kommt, zeichnet sich nicht ab - auch nicht, dass der Autoverkehr aus der Straße herausgenommen wird. Nicht einmal auf die Reduzierung von Parkplätzen, wie dies in der Anfrage von Richard Quaas und Hans Theiss angesprochen wurde, will die Stadt verzichten. Durch die Erweiterung der Fußgängerzone in der Sendlinger Straße und durch große Baumaßnahmen - etwa die Modernisierung des U-Bahnhofs Sendlinger-Tor-Platz - habe sich die Parkplatzsituation verschärft. Damit sieht die Verwaltung keinen Spielraum für Umgestaltungen zulasten von Parkplätzen.

Eine neue "moderne, helle Tiefgarage", in der die Autos von Anwohnern und Besuchern verschwinden könnten, ist auch kein Ausweg. Die Einrichtung einer Anwohnergarage sei geprüft worden, teilt Stadtbaurätin Elisabeth Merk mit. Man habe das aber aus grünplanerischer und wirtschaftlicher Sicht nicht weiter verfolgt.

Gefragt hatten die Stadträte auch nach aktuellen Überlegungen zur Überbauung der breiten Zufahrtsrampe zur Stachus-Tiefgarage, um die Situation an der Herzog-Wilhelm-Straße zu verschönen. Öffentliche oder private Entwicklungsabsichten seien nicht vorhanden, teilt Merk mit. Deswegen gebe es keinen Anlass, einen städtebaulichen Wettbewerb für diesen Bereich auszuschreiben.