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Ärzteversorgung:Selbstregulation funktioniert nicht

Zu "Versorgungslücke" und "Auf dem Rücken der Patienten" vom 18. November:

Als PatientenvertreterInnen begleiten wir die Entscheidungsprozesse bei Kassen, Kassenärzten und Krankenhausgesellschaft in den Gremien der Selbstverwaltung seit Jahren mit. Als die neue Bedarfsplanungsrichtlinie beschlossen wurde, haben wir gehofft, dass die Reform zu einer besseren Verteilung von Arztsitzen und damit zu einer besseren Versorgung der Patienten führen würde. Dies ist leider nicht der Fall, wie Herr Kronewiter beschreibt. Ärzte können sich entscheiden, wohin im Planungsbereich sie ihren Praxissitz verlegen, das erlaubt ihnen die freie Berufsausübung. Bereits 2016 hatten die Patientenvertreter im Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen in Bayern Anträge gestellt zur Aufteilung des kassenärztlichen Bereichs in kleinere Sozialregionen Münchens. Das Ziel war, die Praxisverlegungen in das beliebtere Stadtzentrum zu verhindern. Die Anträge wurden abgelehnt.

Es ist uns nach wie vor unverständlich, warum die Versorgung mit Haus- und Kinderärzten in unterversorgten Stadtrandgebieten nicht oberste Priorität bei allen beteiligten Akteuren hat(te). Stattdessen gibt man, wie im Text beschrieben, die Immobilie mit einem funktionierenden Ärztehaus auf, hofft auf die Selbstregulation und vertraut auf die Mobilität der alten, kranken und eingeschränkten Patienten und der kranken Kinder. Wir hoffen, dass die patientenorientierte Vor-Ort-Lösung zeitnah gefunden wird, bevor weitere Praxen abwandern und man die engagierten Quartiersärzte verliert.

Patientenorientierte Versorgung braucht Engagement und Zusammenarbeit aller Akteure, denn die örtliche Nähe und Vertrautheit zum Behandler ist die Basis für eine sichere Patientenversorgung. Im Münchner Stadtrat gibt es Anträge von mehreren Parteien zur besseren Versorgung in den Stadtrandgebieten zum Beispiel mit kommunalen Versorgungszentren. Wir sind der Meinung, dass diese Initiativen jetzt diskutiert werden müssen. Die ärztliche Versorgung in München muss gerecht für alle Münchnerinnen und Münchner sein. Zur Aufteilung des Planungsbezirks München sehen wir derzeit keine Alternative.Carola Sraier & Peter Friemelt, München

© SZ vom 26.11.2020
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