Sightseeing und Autobahn - Linie 18

Man muss einen Schultag erwischen und zwar morgens zwischen halb sieben und dreiviertel neun Uhr oder am Nachmittag zwischen 15 Uhr und 19 Uhr, dann kann man das Fahrvergnügen mit der Trambahnlinie 18 um zehn Minuten verlängern und hat die Gelegenheit, unter einem besonderen Monument hindurchzufahren: der Mae-West-Statue am Effnerplatz in Bogenhausen. Von dort verlängerte die MVG vor fünf Jahren die Linie bis nach Sankt Emmeram. Manche Anwohner fürchteten wegen der Tram um ihre Ruhe, inzwischen hat sich ihr Protest beruhigt. Diese Befürchtungen sagen einiges aus über die für eine Großstadt fast schon paradiesischen Verhältnisse, die in dieser bevorzugten Münchner Ecke herrschen.

Eine ruhige Wohngegend mit imposanten Häusern und entsprechend vielen Arztpraxen. Auf der Max-Joseph-Brücke fährt die Tram dann über die Isar und am Rand des Englischen Gartens entlang bis zum Nationalmuseum. Es folgt Sightseeing pur mit der Straßenbahn bis zum Maxmonument durch Münchens gute Stube, das Lehel. Am Isartor rechts die Altstadt. Bei der Weiterfahrt weicht das Stadtensemble zunehmend auf: Unterschiedliche Stile und Epochen, Alt neben Neu, Hässlich neben Gelungen. Ein älteres Paar ist inzwischen zugestiegen, kommentiert besondere Auffälligkeiten. "Wer hat so etwas bloß genehmigt?", fragen sich die beiden mehrmals. "Möchtest du da sitzen?", will sie von ihm wissen, als sie die Cafétische vor der Isarpost an der Sonnenstraße sieht. Nein, zu hektisch, brummt er. In der Tram ist es geruhsamer, rund um den Hauptbahnhof wird dieser Unterschied besonders deutlich. Dann geht es die Bayer- und Landsberger Straße hinaus, die Kulisse wird von den beiden Mitfahrern inzwischen als "richtig greislich" empfunden.

An der Friedenheimer Brücke biegt die Achtzehner nach Süden ab. Einfache Wohnsiedlungen dominieren das Stadtbild. Am Stegener Weg schließlich fährt sie an der Lärmschutzwand der Garmischer Autobahn entlang bis zum Gondrellplatz am westlichen Stadtrand. Endstation. In einer knappen Stunde diagonal durch München, 21 Haltestellen, und viel zu sehen.

Bild: Catherina Hess 19. Oktober 2016, 12:482016-10-19 12:48:47 © SZ vom 19.10.2016/vewo