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Volkswagen:Der Seitenwechsler

Der mächtige VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh bekommt einen gut dotierten Vorstandsposten im Konzern. Dieser Wechsel ist ein Ärgernis.

Von Caspar Busse

Vor wenigen Tagen hatte Bernd Osterloh mal wieder gegen VW-Chef Herbert Diess ausgeteilt. Der sei nur von Ja-Sagern umgeben, bei denen "das Rückgrat durch einen Gartenschlauch ersetzt" worden sei, sagte der mächtige Betriebsratschef und Aufsichtsrat von VW in einem Interview. Es ist kein Geheimnis, dass sich Osterloh immer als der eigentliche VW-Chef fühlte. Immer wieder setzte er dem Vorstand zu, zettelte Machtkämpfe an, profilierte sich mit unsachlicher Kritik. Für VW war das meistens nicht gut. Dabei hat Europas größter Industriekonzern genug Probleme: der Übergang zur Elektromobilität, die Folgen des Dieselskandals, Probleme bei der Produktion.

Jetzt verabschiedet sich Osterloh überraschend schnell aus dem Betriebsrat. Das ist erst mal gut. Dass Osterloh aber kurzfristig auf einen gut dotierten Vorstandsposten im weit verzweigten VW-Konzern wechseln wird, ist ein Ärgernis. In Zukunft muss Osterloh als angestellter Manager genau das machen, was er immer kritisiert hat: Beim angeschlagenen Münchner Lkw- und Bus-Hersteller Traton (MAN, Scania) werden gerade Jobs gestrichen. Osterloh wird als Personalchef unangenehme Dinge umsetzen müssen, gegen den Willen von Betriebsräten.

Warum wechselt Osterloh, mit 64 Jahren nicht weit weg vom Rentenalter, plötzlich die Seiten? Wird er etwa weggelobt und mit einem hohen Vorstandsgehalt ruhiggestellt? Dieser Wechsel mag rechtlich völlig in Ordnung sein, moralisch ist er es nicht. Auf ein aufrechtes Rückgrat deutet das Ja Osterlohs zu seinem Jobwechsel jedenfalls nicht hin.

© SZ/kia
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