Schulen:Die Richtung stimmt nicht

Der Digitalpakt Schule ist unzureichend und viel zu langsam - das ist in Zeiten des Fernunterrichts besonders fatal.

Von Paul Munzinger

Schlechte Zahlen zu verkaufen ist eine Übung, in der viele Ministerien Routine haben. Doch die Zahlen, die der Digitalpakt Schule regelmäßig ausspuckt, erfordern Schönrechnungskünste der gehobenen Art. 2019, reichlich spät, machte die Bundesregierung fünf Milliarden Euro locker, um die Schulen technisch ins 21. Jahrhundert zu hieven. Eineinhalb Jahre später wurden davon 112 Millionen Euro ausbezahlt. Das sind peinliche 2,24 Prozent.

Es stimmt natürlich: Die Pandemie legt die fehlenden Sprinterqualitäten eines Förderprogramms offen, das als Mittelstreckenläufer konzipiert wurde. Bis 2024 soll das Geld an die Schulen fließen, um technische Grundlagen zu schaffen, also etwa Kabel zu verlegen. Das dauert. Es stimmt, dass neben den bislang ausgezahlten 112 Millionen Euro weitere 735 Millionen fest verplant sind. Aber selbst dann entfaltet der Pakt noch nicht einmal ein Fünftel seines Potenzials. Und es stimmt schließlich auch, dass das wendigere 500-Millionen-Euro-Sofortprogramm für Schüler-Laptops bedeutend besser läuft und die Gesamtbilanz aufbessert.

Unter dem Strich aber erweist sich der Digitalpakt einmal mehr als Rohrkrepierer. Das ist in normalen Zeiten ärgerlich, in Zeiten des Fernunterrichts ist es fatal. Dass Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) nun davon spricht, dass die Richtung stimme, ist der hilflose Versuch, darüber hinwegzutäuschen.

© SZ/kia
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