Russland:Noch ein Kanal weniger

Moskau schließt seine Vertretung bei der Nato - ein gefährlicher Schritt.

Von Silke Bigalke

Moskau kappt seine wichtigsten Gesprächskanäle mit der Nato, ein gefährlicher Schritt, der leider nicht überraschend kommt. Er hat sich abgezeichnet, nachdem acht russische Diplomaten in Brüssel ihre Akkreditierung verloren haben. Es waren Mitarbeiter der russischen Nato-Vertretung - genau diese hat das russische Außenministerium nun geschlossen. Es wirft der Nato vor, sich arrogant, scheinheilig und feindselig zu verhalten.

Es ist die übliche Mischung aus Klage und Vergeltung, doch diesmal ist sie besorgniserregender als sonst. Eigentlich ist es immer so: Wenn russische Diplomaten ausgewiesen werden - ob wegen Einmischung in eine Wahl wie in Washington, wegen Giftanschlägen wie in London oder wegen versteckter Geheimdiensttätigkeit wie jetzt bei der Nato -, schickt das russische Außenministerium anschließend ausländische Diplomaten nach Hause. Reziprozitätsprinzip nennt sich das. Mit der Schließung seiner Botschaft geht es über dieses Prinzip hinaus.

Dazu kommt, dass sich zur nüchternen Vergeltung immer öfter schrille Propaganda mischt. Moskau gibt sich dauergekränkt, das Außenministerium verdreht passend dazu die Fakten: Stets heißt es dann, der Westen breche alle Brücken ab, verweigere sich dem Dialog. Dabei ist es der Kreml, der westliche Organisationen als unerwünscht ausschließt, der jetzt einen weiteren Gesprächskanal zerstört. Die Methode ist: mit der Tür knallend aus dem Zimmer rennen und dabei laut klagen, dass niemand mit einem spricht.

Dabei ist Schweigen gerade im militärischen Bereich besonders gefährlich. Diplomatische Konflikte sind das eine. Etwas ganz anderes ist es, wenn sich Armeen über ihre Kanäle austauschen, sich gegenseitig von Übungen informieren und notfalls beschwichtigen, nachdem mal wieder ein Kampfflieger an einer Landesgrenze vorbeigeschrammt ist. Dann nämlich verhindert Dialog ganz reale Konflikte. Zwischen Nato und Russland gibt es jetzt keine offiziellen Kanäle mehr dafür.

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