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MH 17:298 leere Stühle

Der Prozess um den Abschuss eines niederländischen Verkehrsflugzeuges findet ohne Angeklagte statt - und ist doch dringend notwendig.

Von Frank Nienhuysen

Das Justizgebäude am Amsterdamer Flughafen ist stark gesichert, trotzdem prägt große Leere den Beginn des Hauptverfahrens im MH-17-Prozess. 298 unbesetzte Stühle hatten Angehörige der Opfer als stillen symbolischen Protest vor die russische Botschaft gestellt, vor allem aber: Im Gerichtssaal selber war von den Angeklagten - drei Russen, ein Ukrainer - niemand da. Das ist das große Manko des Prozesses, mit dem Richter, Staatsanwälte und Angehörige leben müssen: Sieben Jahre nach dem Abschuss der Passagiermaschine über der Ostukraine wird es wohl keine unmittelbaren Folgen für die Verdächtigen geben, falls sie schuldig gesprochen würden.

Russland hat den Prozess in den Niederlanden, aus denen die meisten Opfer kommen, als Theatervorstellung zu diskreditieren versucht und erkennt das Verfahren nicht an. Keiner der Angeklagten muss damit rechnen, ausgeliefert zu werden.

Doch es geht noch um mehr als das: Die Angehörigen, die seit fast sieben Jahren schmerzhaft immer wieder Nebelkerzen und abstruse Theorien aus Russland erlebten, haben Anspruch auf ein sachliches Rechtsverfahren und ein Urteil, das ihnen endlich Klarheit bringt, was am 17. Juli 2014 geschah. Damit wäre für sie schon viel gewonnen.

© SZ/jkä/kus
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