Aktuelles Lexikon:Kesselflicker

Eine historische Berufsgruppe, der auch von Cem Özdemir ein Hang zur Aggressivität nachgesagt wird.

Von Meredith Haaf

Obwohl sich der Sprachgebrauch der Deutschen praktisch von Woche zu Woche stärker anglifiziert - am I right? - bleibt ihm mindestens eine Eigenheit bisher erhalten: Die Metaphorik des Konflikts beruft sich gern auf altertümliche Phänomene. "Streithähne" zum Beispiel sieht man hierzulande schon lang nicht mehr im Einsatz. Und Kesselflicker auch nicht. Wie ebenjene streite man sich in der Ampelkoalition, hat Landwirtschaftsminister Cem Özdemir am Dienstag analysiert. Warum ausgerechnet diese Berufsgruppe als besonders aggressiv gelten soll, ist nicht ganz klar. Fest steht, dass ihre Tätigkeit über Jahrhunderte in ganz Europa von fahrenden, von keiner Zunft geschützten Handwerkern ausgeübt wurde, die mit Schere, Hammer und Metallblechen die Löcher in den Kesseln der Menschen reparierten. Mit ihrer wichtigen, aber einfachen Tätigkeit standen sie also in harter Konkurrenz zueinander, mutmaßlich rührt daher der raue Ton, der ihnen zugeschrieben wird. Im Englischen etwa war tinker lange Zeit ein Ausdruck für einen Lausebengel. Von den Zeitgenossen wurden Kesselflicker aber auch romantisiert. Gerade unter niederländischen Malern war der Kesselflicker ein beliebtes Motiv, meist dargestellt als arm, aber auch friedlich.

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