Myanmar:Morde mit Botschaft

Lesezeit: 1 min

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wurden in dem Land Todesurteile vollstreckt. Die Wahl der Opfer soll den Widerstand brechen. Aber sie wird die Wut weiter anfachen.

Kommentar von David Pfeifer

Wozu dienen Hinrichtungen, wenn ohnehin wahllos Frauen und Männer umgebracht werden - und niemand etwas dagegen unternimmt? Das kann man sich angesichts der Tötung von vier Aktivisten in Myanmar fragen, die in einem Prozess hinter verschlossenen Türen verurteilt und am Montag exekutiert worden sind. Vermutlich sollen sie eben genau das markieren - den Unterschied zwischen Zufall und gezieltem Mord.

Mit der Ausführung des Todesurteils, trotz Einspruchs durch die Asean-Staaten, wird klargemacht: Wer sich in Myanmar in einem der nicht vom Militär kontrollierten Gebiete versteckt, wer protestiert oder passiven Widerstand leistet, setzt sich der Gefahr aus, verhaftet, verurteilt und getötet zu werden. Hilfe von außen ist keine zu erwarten. Interventionen helfen nichts. Die Vereinten Nationen waren nicht einmal in der Lage, harte Verurteilungen auszusprechen, weil unter anderem China und Russland sich dem verweigerten. China beutet Myanmar ökonomisch aus. Russland verkauft der Junta seit Langem Waffen.

Zwei der Opfer waren in Myanmar sehr bekannt, Phyo Zeya Thaw, eine Größe im Hip-Hop, der seine Kritik an den Zuständen in Raps verklausulierte. Kyaw Min Yu, "Ko Jimmy" genannt, ein altgedienter Aktivist der 88er-Bewegung; die 8888 steht in Myanmar für den 8. 8. 1988, den Tag, an dem ein Streik das Land lahmlegte und der Widerstand gegen das Militär begann. Ihre Tötung ist auch psychologische Kriegsführung, nur eben gegen das eigene Volk.

Die Junta versucht mit den gezielten Morden vor allem die Hoffnung der Myanmaren zu zerstören. Bisher aber hat sie nur die Wut weiter angefacht, die zwar zunehmend verzweifelt ist, aber nicht weniger lodert, nur weil die Weltgemeinschaft die Gewalttaten kaum noch im Blick hat. Es bleibt nur, den Myanmaren zu wünschen, dass sie durchhalten und irgendwann zu ihrem Recht kommen. Die westliche Wertegemeinschaft kann schon jetzt beginnen, sich zu schämen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema