Italien:Der Vorteilsnehmer

Matteo Salvini will plötzlich glühender Europäer sein. Die Frage ist: Was erhofft er sich davon?

Von Andrea Bachstein

Was für eine Wende Matteo Salvini da hinlegt. Als Italiens Innenminister benutzte der Lega-Chef aus dem Meer gerettete Migranten quasi als Geiseln, um die EU zu erpressen, nun plädiert er für eine vernünftige Flüchtlingspolitik. Der ewige Schmäher Europas ist nun "mit Händen, Füßen, Herz und Hirn in Europa". Das verblüfft.

Aber nur auf den ersten Blick, denn Salvini war immer Opportunist. Der Rechtspopulist lauschte, was das Volk sprach, und sprach es nach, als hätte er es erfunden. Schamfrei warf er heilige Prinzipien seiner Lega über Bord. Etwa, als er der Partei, zu deren Daseinsgrund rassistische Verachtung für Italiens Süden gehört, das "Nord" aus dem Namen strich und die Süditaliener umschmeichelte. So gewinnt man Stimmen. Jetzt geht es um Geld und Macht. Salvini nimmt in Kauf, einen Teil seiner Anhänger zu enttäuschen. Aber es sich zu verderben mit den vielen großen und kleinen Unternehmern Norditaliens, das kann er sich nicht leisten. Sie warten dringend auf die Corona-Hilfen der EU, wissen, dass Mario Draghi nicht scheitern darf.

Und Salvini weiß, es zahlt sich aus, wenn er für die Lega beim Geldverteilen mit am Tisch sitzt, möglichst als Minister. Da schluckt er gern die Kröte der Bedingungen Draghis. Salvini wechselt nicht Überzeugungen, er hat keine - er sucht stets nur den Vorteil.

© SZ
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