Italien:Das Vorbild

Und jetzt der Green Pass: Es ist Zeit, ein paar Klischees über das Land aufzugeben.

Von Andrea Bachstein

Neulich ging das Foto eines Tattoos in Italien viral: Ein Mann hatte sich den QR-Code seines "Green Pass" in die Haut stechen lassen. So weit geht es nicht, was Premier Mario Draghi nun von allen Bürgern zur Bezwingung der Pandemie verlangt. Aber ob gedruckt oder digital - ohne den Code, der bestätigt, dass man geimpft, genesen oder getestet ist, wird das Leben schwierig in Italien. Und auch für den Zutritt zum Arbeitsplatz braucht man das Zertifikat. Wer nicht mitmacht, wird zwar nicht entlassen, kann sich aber ohne Gehalt suspendiert wiederfinden.

Die Regeln kommen faktisch einer Impfpflicht nahe. Draghi, der nicht scherzt, wenn er etwas für wichtig hält, hätte eine solche vielleicht gerne gehabt. Die Verfassung ließe es zu - aber kaum die Verhältnisse im Parlament, das zustimmen müsste. Jedenfalls dient der Green Pass als besonders nachdrückliche Mahnung an Nicht-Geimpfte. So viele sind das gar nicht. Draghi hat einen General mit dem Kampf gegen die Pandemie betraut, und das Impfen hat bald vorzüglich geklappt: 75 Prozent, das ist eine der höchsten Quoten in Europa.

Die Italiener haben das Grauen zu Beginn der Pandemie nicht vergessen, sie befolgten harte Lockdowns und alle Maßnahmen diszipliniert, auch jetzt gibt es kein großes Murren über die sehr konsequenten 3-G-Regelungen. Italien ist ein Vorbild geworden, was das Lernen aus der Pandemie betrifft. Es ist Zeit, dass alle dazulernen, die noch alte Klischees pflegen, von einem Land mit angeblich regellosem Schlendrian.

© SZ
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