Corona:Vertrauenskiller

Das Robert-Koch-Instituts weist vermutlich zu niedrige Werte für die Erstimpfungen aus. Warum es sich die Behörde nicht leisten kann, ausgerechnet jetzt mit lückenhaften Statistiken zu operieren.

Von Berit Uhlmann

Angesichts der Angespanntheit, mit der momentan auf die Impfzahlen geschaut wird, ist die plötzliche Entdeckung des Robert-Koch-Instituts (RKI) äußerst unglücklich: Aktuell weist die offizielle Impfstatistik sehr wahrscheinlich zu niedrige Werte für die Erstimpfungen aus. Nun sind gewisse Unsicherheiten in solchen Daten normal, aber dass sich gerade jetzt eine doch recht deutliche Diskrepanz zwischen den offiziellen Zahlen und einer weiteren regelmäßigen RKI-Erhebung auftut, birgt Probleme.

Der Fortschritt der Immunisierungen ist derzeit eine der wichtigsten Maßzahlen der Pandemie. Er entscheidet darüber, wie viele und welche Ressourcen für Impfaktionen und Anreize bereitgestellt werden. Er ist ein wesentlicher Faktor, um das Infektionsgeschehen im Herbst zu prognostizieren. Mindestens implizit fließt er damit auch in weiter reichende politische Entscheidungen ein.

Doch wenn der Eindruck entsteht, dass Beschlüsse auf unsauberen Statistiken beruhen, zerstört das Vertrauen. Unmut, Unruhe und Disruptionen in der Gesellschaft könnten weiter zunehmen. Für harte Impfgegner und Corona-Leugner ist die unklare Datenlage eine Steilvorlage. Es ist daher - allein schon für die öffentliche Wahrnehmung - unumgänglich, Lücken in der Erfassung der Impfquote schnell aufzuspüren.

© SZ/kus
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