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Marslandung:Dominanz in den Sternen

China landet einen Roboter auf dem Mars. Hinter der beeindruckenden technischen Leistung steckt aber ein ehrgeiziges politisches Ziel. Die Ambitionen wachsen nun ins All.

Von Lea Sahay

Gewiss handelt es sich um eine technische Meisterleistung, die chinesischen Forschern mit der Mars-Landung am Wochenende gelungen ist. Der Erfolg ist bewundernswert. Anders als die Kommunistische Partei behauptet, steht Chinas Raumfahrtprogramm aber nicht im Dienst der Menschheit. Es geht vor allem um die Demonstration der neuen Macht.

Die Symbolkraft ihrer ehrgeizigen Weltraummissionen haben Parteivertreter gerade auf besonders geschmacklose Art klargemacht. Eine Pekinger Spitzenbehörde veröffentlichte das Foto eines chinesischen Raketenstarts neben dem Bild einer Verbrennung von Corona-Toten in Indien. Wenn China ein Feuer mache und wenn Indien ein Feuer mache, stand darunter. Die schamlose Entgleisung hat System. Zwei Monate vor dem 100. Gründungstag der Kommunistischen Partei braucht das Regime solche Bilder.

Bewiesen werden soll die Überlegenheit der chinesischen Zivilisation, Chauvinismus ist neue Staatsdoktrin in Peking. Die Führung lässt daran erinnern, dass die chinesische Flagge die bisher einzige sei, die im 21. Jahrhundert auf dem Mond platziert worden ist. Das passt in die Erzählung: Auf der einen Seite schwinden die Kräfte westlicher Staaten, auf der anderen Seite steht der unweigerliche Aufstieg Chinas. Die neue Dominanz steht jetzt auch in den Sternen.

Zwar betont Parteichef Xi Jinping gerne, wie sehr die Forschung des Landes der Weltgemeinschaft nütze. Doch wie viele der Erkenntnisse wirklich geteilt werden, ist unklar. Da unterscheidet sich China übrigens nicht von den USA. Zu Hause sind die Nachrichten deutlicher: Die Raketen, erklärt das Regime, würden längst ohne Hilfe aus dem Ausland gebaut. In einigen Branchen möge China noch verwundbar und abhängig von ausländischer Technologie sein. Doch die Botschaft des Weltraumprogramms heißt: Stoppen kann uns das Ausland nicht.

Es geht nicht um Gesteinsproben, sondern um die Demonstration von Überlegenheit

Bis spätestens 2049 will sich China seine Vormacht im Weltraum sichern. Dem Land geht es dabei weniger um Gesteinsproben. Im Fokus stehen neue Navigationssysteme, die Übertragung und das Abfangen von Informationen im All und die Frage, wie Kriege der Zukunft geführt werden. Schon 2007 testete das Regime erfolgreich eine Anti-Satelliten-Waffe.

Bereits 2016 warnte ein Bericht des US-Kongresses, China könne die USA im All bald militärisch, diplomatisch und wirtschaftlich überholen. Wie rücksichtslos China dabei vorgeht, bewies das Land erst vor einigen Tagen, als es Teile einer Rakete ungeachtet aller Gefahren unkontrolliert auf die Erde stürzen ließ.

Chinas Ambitionen im Weltraum sind ein Teil von Xis Neuer Seidenstraße, jenem Investitionsprogramm, unter dem sich alles und nichts in der chinesischen Außenpolitik zusammenfassen lässt. Das Seidenstraßen-Projekt hat in den vergangenen Jahren vor allem dafür gesorgt, dass Staaten wirtschaftlich und politisch in Pekings Abhängigkeit geraten sind. Dieser Strategie dürfte auch das Weltraumprogramm folgen.

Bereits jetzt kooperieren Akteure wie die Europäische Weltraumbehörde mit China. Diese Zusammenarbeit dürfte sich noch intensivieren, wenn Peking erst einmal seine Weltraumstation fertiggestellt hat. 2036 soll eine Forschungsstation auf dem Mond folgen. Auch wenn die Weltraumambitionen unter der engen Aufsicht der Kommunistischen Partei stehen, dürfte die Verführung für die internationale Forschung groß sein. Die Spielregeln im All könnte bald Peking festlegen.

© SZ
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