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Militär:Braune Schafe

Erst im Kommando Spezialkräfte, jetzt ein Zug Panzergrenadiere - schon wieder fällt eine Einheit der Bundeswehr wegen rechter Umtriebe auf. Da hilft nur eines: Sofort durchgreifen!

Von Joachim Käppner

Antisemitische Parolen, Gesänge zu Hitlers Geburtstag, Saufgelage mit sexuellen Übergriffen: Die Bundeswehr zieht nun einen kompletten Zug Panzergrenadiere aus Litauen ab, etlichen von ihnen wirft man all diese Widerwärtigkeiten vor. Und nein, es ist nicht die Bundeswehr als Ganzes von einer solch toxischen Unkultur befallen. Aber das Problem geht doch gehörig über die - zur Relativierung der wiederholten Skandale viel zitierten - schwarzen Schafe hinaus.

Die Erkenntnis: Wenn Einheiten wiederholt einschlägig auffallen, muss die Führung sofort durchgreifen. Viel zu oft sind Exzesse, Quälereien, rechtsextreme Vorfälle zu langsam und umständlich auf dem Disziplinarwege behandelt worden, während Beschuldigte weiter ihrem Dienst nachgingen und mögliche Zeugen bedrohten. Zu oft haben Vorgesetzte derlei gedeckt, entweder um den Skandal zu vertuschen oder aus falschem Korpsgeist.

Bei der besonders übel beleumdeten 2. Einsatzkompanie des KSK stießen die Ermittler auf eine "Mauer des Schweigens", sogar von "Omertà", dem Schweigekodex der Mafia, war die Rede. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ließ die Kompanie daraufhin auflösen. Jenseits der individuellen Ermittlungsverfahren, die natürlich nötig bleiben, ist das der richtige Weg, solche Strukturen zu zerschlagen. Die Mobber in Uniform fühlen sich häufig unangreifbar. Sie sollten auf dem harten Wege erfahren, dass das ein Irrtum ist.

© SZ/kus
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