Brasilien:Ein Gesetz wie eine Axt

Bolsonaro plant, den indigenen Völkern keine Schutzgebiete mehr zu geben. Damit bedroht er nicht nur sie. Sondern den Planeten.

Von Christoph Gurk

Jair Bolsonaro war noch ein einfacher Abgeordneter, als er im April 2017 auf einer Bühne stand und Versprechungen machte. Sollte er zum Präsidenten gewählt werden, sagte der rechte Politiker, werde er dafür sorgen, dass all den arbeitsfaulen Nichtregierungsorganisationen die Gelder gestrichen werden; jeder Brasilianer werde eine Waffe im Haus haben, während gleichzeitig kein Zentimeter Land mehr als Schutzgebiet ausgewiesen werden würde für traditionelle Gemeinschaften.

Das Publikum damals jubelte, und seit 1. Januar 2019 ist Jair Bolsonaro nun im Amt. Und auch wenn Sozialprojekte weiter arbeiten können und noch nicht jeder Brasilianer über ein Gewehr oder eine Pistole verfügt, so hat Bolsonaro doch zumindest ein Versprechen wahr gemacht: Kein einziges neues indigenes Gebiet wurde unter seiner Regierung ausgewiesen. Im Gegenteil: Schutzbehörden wurden ausgehöhlt, Budgets gekürzt, Personal zusammengestrichen. Nun könnte ein Gesetzentwurf bewirken, dass in der Tat Dutzende Anträge für die Anerkennung indigener Gebiete abgelehnt werden. All dies sind alarmierende Nachrichten, nicht nur für die traditionellen Gemeinschaften, sondern für die ganze Welt.

Denn dort, wo indigene Völker vertrieben werden, nehmen meist Goldsucher, Holzfäller, Bauern und Viehzüchter ihren Platz ein. Auf der Suche nach Schätzen und noch mehr Profit sägen sie Urwaldriesen um, sie reißen die Erde auf, verseuchen Flüsse und Grundwasser mit Quecksilber und brennen am Ende ganze Wälder nieder, damit in der Asche Sojapflanzen wachsen können und Gras für Rinder.

Der Amazonas, fürchten Experten, könnte bald kippen, aus Regenwald würde dann Savanne werden, mit unabsehbaren Folgen für das Klima in Südamerika und der ganzen Welt. Und so geht es beim Schutz indigener Gruppen nicht nur um ihren Anspruch auf angestammtes Land oder ihr Menschenrecht auf Leben: Es geht auch um die Zukunft des Planeten.

© SZ
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