Aktuelles Lexikon:Direktmandat

Nur auf dieses Prinzip zu setzen, wäre unfair. Deshalb muss der Plenarsaal in Stuttgart jetzt umgebaut werden.

Von Claudia Henzler

Länder, die in ihren Wahlsystemen auf Wahlkreise und Direktmandate setzen, wollen damit eines erreichen: Die Abgeordneten sollen alle Landesteile im Parlament repräsentieren. Direktmandate werden nach dem The-Winner-Takes-It-All-Prinzip vergeben. Das heißt, dass den Kandidaten eine einfache Mehrheit reicht, um ihren Wahlkreis zu gewinnen. Wenn die Sitze im Landtag von Baden-Württemberg ausschließlich an direkt Gewählte vergeben würden, säßen künftig 58 Grüne und zwölf CDU-Parlamentarier im Plenum, niemand sonst. Das wäre unfair, weil ein Drittel der Wähler ihre Stimme anderen gegeben hat, und es würde dem Grundgesetz widersprechen. Das fordert, dass jede Stimme gleich viel wert sein muss. Im Bund und in den Ländern werden deshalb nur ein Teil der Mandate an Direktkandidaten vergeben, ein anderer Teil wird an die Parteien verteilt, bis die Zusammensetzung der Parlamente das Wahlergebnis widerspiegelt. In Baden-Württemberg ist vorgeschrieben, dass sich der Landtag aus "mindestens 120 Abgeordneten" zusammensetzt und 70 Mandate an Wahlkreiskandidaten gehen. Weil die Grünen auf knapp 33 Prozent kamen, aber 58 Direktmandate gewonnen haben, muss der Plenarsaal umgebaut werden. Durch die vielen Ausgleichsmandate werden dort künftig 154 Abgeordnete Platz nehmen statt bisher 143.

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