ZDF: Thomas Bellut im Gespräch:"Die ARD sorgt jedenfalls für Unterhaltung"

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SZ: Herr Bellut, die ARD plant große Umbauten am Abend, Günther Jauch wurde verpflichtet, die Tagesthemen sollen von Montag bis Donnerstag einheitlich beginnen, eine neue Late-Talk-Schiene soll eingezogen werden, wobei noch niemand weiß, wie das davon betroffene Moderationspersonal - Frank Plasberg, Anne Will, Harald Schmidt - eingesetzt werden könnte. Machen Sie sich Sorgen?

Bellut: Die ARD sorgt jedenfalls für Unterhaltung. Wir warten gelassen ab, wie die Neusortierung ausfällt. Ich bin gespannt, ob die Ankündigung einheitlicher Tagesthemen-Zeiten an Wochentagen wirklich umgesetzt wird. Frank Plasberg hat eine sehr erfolgreiche politische Sendung etabliert, müsste sie nach den Tagesthemen beginnen, sähe sie anders aus. Was immer passiert, wir sind vorbereitet, auf unfreundliche Programmierungen der ARD zu reagieren.

SZ: Der frühere ARD-Programmdirektor Günter Struve hat sich oft einen Spaß aus heiklen Gegenprogrammierungen gemacht. Wie ist Ihr Verhältnis zu Volker Herres, Struves Nachfolger?

Bellut: Es ist nicht leichter geworden. Da wird sich so schnell nichts ändern. Es läuft aber im Großen und Ganzen gut, so wie bei Struve. Trotzdem gibt es immer wieder unfreundliche Aktionen wie das Gegenprogrammieren von internationalen Krimis gegen unsere Krimileiste sonntags um 22 Uhr.

SZ: Sie gehen doch auch in die Offensive, setzen jetzt die frühere ARD-Showgröße Jörg Pilawa mit einem neuen Quiz an Mittwochabenden gegen den gut laufenden ARD-Fernsehfilm der Woche.

Bellut: Wir sind sportlich. Doch wir erfüllen nur Wünsche. Die ARD hat immer gesagt: Bitte sendet keine Fiktion gegen unseren Fernsehfilm am Mittwoch. Genau das werden wir jetzt umsetzen. Es wird nur noch in Ausnahmefällen, an Feiertagen oder wenn die ARD Fußball zeigt, mittwochs Fiktion geben.

SZ: Eine Problemzone der ZDF-Unterhaltung ist der späte Abend. Früher stabilisierte und steigerte dort Johannes B. Kerner mit seinen täglichen Plaudereien und Kochereien Quoten und Marktanteile. Kerners Nachfolger Markus Lanz soll bei RTL im Gespräch sein, als Frontmann für Stern-TV.

Bellut: Ich bin mit Markus Lanz sehr zufrieden, wir werden in den nächsten Wochen zu einer Verlängerung seines Vertrages kommen, da bin ich mir sicher. Und auch Johannes B. Kerner, der in der Tat eine sehr erfolgreiche Zeit beim ZDF hatte, brauchte einige Jahre, um sich als Marke zu etablieren. Bei Markus Lanz ist die Tendenz klar aufsteigend.

SZ: Nach der Sommerpause wird er wie Kerner früher vier-, fünfmal zu sehen sein. So eine Abhängigkeit von einer Person wollten Sie nicht mehr.

Bellut: Das ist nicht die Zukunft, sondern eine Übergangslösung. Markus Lanz tut mir einen Gefallen. Auf Dauer möchte ich ein differenziertes Angebot am späten Abend, Lanz wird dabei mindestens zweimal wöchentlich auftreten.

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