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"Mirage" im ZDF:Im Netz der Intrigen

Mirage - Gefährliche Lügen

Clive Standen und Marie-Josée Croze als Gabriel und Claire

(Foto: Eric Vernazobres/ZDF)

Absturz im Atomkraftwerk, Beziehungsdramen in Abu Dhabi und viele schöne Aufnahmen von der Wüste: Die sechsteilige Action-Serie "Mirage" will etwas zu viel auf einmal. Dafür ist Marie-Josée Croze als Sicherheitsexpertin absolut sehenswert.

Diese Rezension ist erstmals am 29. März erschienen und wird zur Ausstrahlung der Serie im ZDF erneut veröffentlicht.

Verschwitzt und schwer atmend kabelt Claire (Marie-Josée Croze) eine kleine Festplatte in dem engen Serverraum eines Atomkraftwerks ab - gerade noch rechtzeitig, um den Zusammenbruch der gesamten Anlage zu verhindern. Durch einen Stöpsel im Ohr versucht ihr der Agent Gabriel (Clive Standen) Anweisungen durchzugeben. Gabriel, ihre große Liebe, die sie für 15 Jahre tot geglaubt hat. In Abu Dhabi trifft sie ihn zufällig wieder und muss all das hinterfragen, woran sie bisher geglaubt hat.

In der ZDF-Serie Mirage muss sich die Sicherheitsexpertin Claire unerwartet ihrer Vergangenheit stellen, von der sie dachte, sie längst abgeschlossen zu haben. Bei dem Tsnuami 2004 in Thailand verschwindet ihr damaliger Freund Gabriel. Es braucht Jahre, bis sie mit ihrem gemeinsamen Sohn ein halbwegs normales Leben führen kann - in Abu Dhabi kann sie endlich wieder als Spezialistin in einem Atomkraftwerk arbeiten, ihr Mann Lukas (Hannes Jaenicke) möchte ein eigenes Restaurant eröffnen. Doch dann entdeckt sie Gabriel in einer Bar und wird in ein Netz aus Intrigen, Lügen und Kriminalität gezogen. Dass Gabriel sie damals überhaupt kennengelernt hat, war rückblickend wohl doch keine schicksalhafte Fügung.

Wolkenkratzer, Sonnenuntergang, Wüste - alles schön anzuschauen

Vor der beeindruckenden Kulisse Abu Dhabis versucht sich die sechsteilige Serie an Claires Jagd nach Antworten: irre Verfolgungsfahrten durch die Wüste, Schießereien auf den Märkten der Altstadt und Einbrüche in fremde Hotelzimmer. Genug Action bietet die Thriller-Serie schon mal, spannender wird sie dadurch trotzdem nicht. Zu viel Zeit vergeht, bis Claire Gabriel findet, um ihn zur Rede zu stellen, zu lang hält man sich damit auf, mögliche Kontakte zu manipulieren, um einen Angriff auf ein Atomkraftwerk zu verhindern.

Dass die Serie nicht in Fahrt kommen mag, liegt aber auf keinen Fall an der kanadischen Hauptdarstellerin Marie-Josée Croze. In jeder einzelnen Folge gelingt es ihr, den Konflikt ihrer Figur Claire und die Frage danach, ob sie Gabriel vertrauen kann oder nicht, greifbar zu machen. Claire kommt an ihre körperliche und emotionale Grenze - schließlich hat Gabriel jahrelang mit angesehen, wie sie beinahe an seinem vermeintlichen Tod zerbrochen ist. Ihre Beziehung mit ihrem Mann Lukas leidet auch unter Gabriels plötzlichem Erscheinen. Das Problem von Mirage ist die Vorhersehbarkeit der Handlung. Obwohl viel Zeit darauf verwendet wird, möglichst vielen Hinweisen und Verstrickungen nachzugehen, ist früh klar, wer eigentlich hinter den Machenschaften steckt. Der Versuch, ihren Ehemann Lukas mit in die Intrigen zu verstricken und ihn selbst ermitteln zu lassen, wirkt verkrampft hineingequetscht in eine ohnehin schon übervolle Geschichte.

Schön anzusehen ist die Serie trotzdem. Die Wüste, die tieforangenen Sonnenuntergänge hinter den hohen Wolkenkratzern, der umherwehende Sand, der immer ein Teil dieser Stadt zu sein scheint. Und wenn die Szenerie nicht reicht, dann ist es doch Marie-Josée Croze, für die es sich lohnt einzuschalten.

Mirage - Gefährliche Lügen, ZDF, 22.15 Uhr

© SZ vom 30.03.2020

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