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Medien-Kolumne "Abspann":Hohlbirne im Fernsehgarten

Comedian Luke Mockridge

Glaubwürdiger Affenimitator: Comedian Luke Mockridge.

(Foto: Guido Kirchner/dpa)

"Skandal", "Eklat", "Mega-Eklat"? Ruhig bleiben. Der Auftritt von Luke Mockridge im ZDF ist: völlig legitimer Pipi-Kacka-Humor. Und darin grandios schlecht.

Einmal kurz, und sei es nur aus sportlichem Ehrgeiz, die Gegenthese ausprobieren. Es gibt ja schon wieder so schrecklich viel Aufregung: "Skandal", "Eklat", "Mega-Eklat". Dieses Vokabular. Also: Luke Mockridges Auftritt im ZDF- Fernsehgarten sollte ein rebellischer Akt der Verweigerung sein. Doch, doch - natürlich ist das möglich. Alles ist möglich. Theoretisch.

Es sind schließlich eigentlich gute Zeiten für den Humor - sogar im deutschen Fernsehen. Satire hat in den vergangenen Jahren mit ein paar feinen Uneindeutigkeiten interessante Diskussionen angestoßen. Die Scherzbeauftragten machen ihren Job gerade - manchmal - ganz ordentlich. Das ist schön. Es schafft Raum, der sich unbedingt auch mit Unfug füllen lässt.

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Auch mit Pipi-Kacka-Humor. Auch Pipi-Kacka-Humor kann Kraft haben, vielleicht sogar entlarven - wenn er exakt vermisst, was er betrachtet. Siehe etwa Jerks.

Was zurück zu Mockridge führt. Für alle, die das Internet länger nicht anhatten, dies ist passiert: Der Comedian ist in den Fernsehgarten gegangen - die 33 Jahre alte ZDF-Instanz, die sonntagvormittags einen Marktanteil von im Schnitt mehr als 17 Prozent hat. Künstler finden hier meist mehr als zwei Millionen Zuschauer, wenn sie Promo für aktuelle Projekte machen. Moderiert wird das Ganze von Andrea Kiewel, die schon mal eine Zeit lang nicht moderierte, weil sie ein paar Probleme wegen Schleichwerbung hatte. Mockridge hat nun in der Sendung Antiwitze erzählt: "Woran erkennt man eigentlich alte Menschen? Sie haben graue Haare, sind schrumpelig und riechen immer nach Kartoffeln." Er hat mit einer Banane telefoniert. Er hat, gar nicht unglaubwürdig, einen Affen imitiert, und - etwas unglaubwürdiger, aber noch okay - einen Elefanten. Dann brach Kiewel den Auftritt ab.

Nach allem, was man über das lustige Fernsehen gerade so weiß, dürfte das das Ziel gewesen sein. Mockridge soll die Proben verpasst, dafür aber ein eigenes Kamerateam dabeigehabt haben. Man erlebte am Sonntag also offensichtlich irgendwas zwischen Prank und einer verlorenen Wette. Das Ganze wird wohl oder übel in einer anderen (wie Beteiligte andeuteten wohl Mockridges neuen, eigenen) Sendung aufgelöst werden.

Vermutlich schlecht. Und das ist dann auch schon das Problem: Mockridge hat im besten Fall ein Format vorgeführt, bei dem es nichts zu entlarven gibt - natürlich ist der Fernsehgarten trutschiges Leistungsschunkeln -, bei dem Hohn gegen die Fans damit aber eine besonders hohlbirnige Form der Menschenverachtung ist (Schunkeln tut doch niemandem weh). Das ist weder Skandal noch Eklat. Es ist einfach nur: ein grandios schlechter Witz eines eigentlich ja ganz guten Komikers.

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