Deutscher Webvideopreis Feiern wie das Establishment

Ein altgedienter, aus der Zeit des klassischen TV-Zeit, der Gitarre spielende Otto Waalkes, unterstützt den Videomacher Philipp Laude.

(Foto: Henning Kaiser/dpa)

Der "Deutsche Webvideopreis" wird verliehen - und das klassische Fernsehen feiert kräftig mit. Die TV-Redakteure sind beeindruckt vom Erfolg der Videoblogger, die oft Millionen Fans haben. Doch es tut sich auch eine Kluft auf, die nicht durch einen gemeinsamen Abend verschwindet.

Von Benedikt Frank

Es ist wie eine öffentliche Verbrüderung zwischen einem Mentor und seinem eigentlich schon recht selbstbewussten Schützling. Wobei nicht ganz klar ist, wer letztlich den Ton angibt. Da sitzt die alte Dame ARD zusammen mit einem Jüngeren, dem Internetvideo.

Am Samstag wurde in Düsseldorf der Deutsche Webvideopreis zum fünften Mal verliehen - und erstmals live im Fernsehen auf EinsPlus übertragen. Die Auszeichnung wird an die vergeben, die auf Youtube und anderen Videoplattformen erfolgreich oder originell sind.

Gronkh, Y-Titty oder LeFloid nennen sie sich etwa und auch wenn diese Videomacher bislang selten im klassischen TV auftauchen, sind sie, ja, prominent bei jungen Menschen.

Florian "LeFloid" Mundt etwa, Jury-Mitglied dieses Jahr, folgen auf Youtube 2,5 Millionen Nutzer, die meisten davon sind zwischen 16 und 24 Jahren alt, 300 Millionen mal wurden seine Videos insgesamt gesehen.

Erik Range alias Gronkh: über 3,6 Millionen folgen ihm, seine Videos wurden zusammen über 1,4 Milliarden mal angeklickt.

Zugang zur jungen Zielgruppe

Diese beeindruckend hohen Zahlen sind der Grund, wieso auch die öffentlich-rechtlichen Sender hier mitmachen, die Preisverleihung ein wenig an sich gezogen haben: Das Publikum von ARD, ZDF und den Dritten ist im Durchschnitt über 60 Jahre alt. "Die Leute, die auf Youtube erfolgreich sind, ermöglichen den Zugang zur jungen Zielgruppe", sagt Marco Otto, der das Projekt für die ARD und den Schweizer Rundfunk leitet.

Die alte Dame will sich also aufhübschen, ist auf der Suche nach mehr Zuspruch. Aber der neue, junge Partner will ebenfalls etwas: Geld in Form von Aufträgen - und Glanz. Der Glanz ist beim traditionellen Fernsehen, dem mit den großen Kameras, doch noch größer. "Die Community wünschte sich insgesamt eine Awardshow, wie Bambi, Oscar, Fernsehpreis", sagt NDR-Projektchef Otto.

Das Logo - in pompösem Gold redesignt

Feiern wie das Establishment wollten die Web-Clip-Stars. "Irgendwann haben wir dann gesagt: 'Ihr seid ja viel zu klassisch!'", erinnert sich Otto. Wobei, das betont er, die kreative Zusammenarbeit sehr gut gewesen sei. Ausgerechnet der alt gewordene Mentor sagt den Webvideo-Machern, dass sie nicht so altmodisch denken und feiern sollen.

Es ist dann trotz des Einspruchs ein recht opulentes Fest geworden, getaucht in blaues Licht, das Licht, das an die Flimmerkisten des klassischen Fernsehens erinnert. 3500 Gäste sitzen im Düsseldorfer Castello um eine große Showbühne, von der ein Steg in die Mitte des Saals reicht. Über allem schwebt ein Stern aus Licht.

Der Stern ist das Logo des Deutschen Webvideopreises, das nun nicht mehr wie eine etwas krakelige Buntstift-Zeichnung aussieht, sondern aufgeräumt in pompösem Gold redesignt wurde.