bedeckt München 21°

Westfalen-Blatt-Kolumnistin Barbara Eggert:"Töne, die mich regelrecht vom Sofa gehauen haben"

Sie wussten bis dato nichts davon?

Nein. Das waren völlig andere Töne, die mich regelrecht vom Sofa gehauen haben. Am Donnerstagmorgen habe ich Herrn Windolph gefragt, wie er mich als alleinigen Sündenbock darstellen und mein Leben so zerstören könne. Er sagte mir, dass der WDR in dem Bericht Tatsachen verdreht habe. Die Krisenkommunikation der Zeitung war unmöglich. Ich habe auch zu Herrn Windolph, der ja als Chefredakteur entsprechend Einfluss hat, gesagt, dass diese Shitstorms vorübergehen. Ich hätte mich nicht erpressen lassen und mit der Kolumne weitermachen wollen.

Erpressung - Sie spielen auf die heftigen Reaktionen im Netz an?

Man beugt sich dem Diktat von Facebook und Twitter, dafür habe ich kein Verständnis. Der Schreibstil in den sozialen Netzwerken - ich bin dort nicht aktiv - hat mich schockiert. Ich habe das Gefühl, dort wird einer pöbelnden Gruppe die Hand gereicht. Dieselbe Kolumne stand vier Wochen vorher in einer anderen Zeitung, darauf habe ich keinen einzigen Leserbrief bekommen. Nun habe ich das Gefühl, wenn ich auf einem Marktplatz stünde, würde ich gelyncht.

Wie erklären Sie sich die Wut?

Man darf heute nicht sagen, was man meint. Vor einiger Zeit habe ich in einer Wochenzeitung den Artikel eines Autors gelesen, der schrieb: Bald käme die Zeit, da man sich dafür entschuldigen müsse, wenn man nicht homosexuell sei. Da habe ich auch nach Luft geschnappt. Aber der Mann hat dafür sehr viel Zustimmung bekommen. Vorgestern habe ich ein Interview mit Andreas Gabalier gesehen. Er sagte sinngemäß: Er fände es immer noch gut, wenn er als Mann eine Frau liebe. Für diese Aussage ist er ausgepfiffen und beschimpft worden.

Würden Sie dem Familienvater heute wieder das Gleiche raten?

Ich habe mir die Kolumne inzwischen 20 Mal durchgelesen und kann nichts finden, was daran schlimm sein soll. Der Text richtet sich nicht mit einem einzigen Satz gegen Homosexuelle. Es geht um die Frage, ob zwei konservativ erzogene Kinder, sechs und acht Jahre alt, die ein traditionelles Familienbild im Kopf haben, korrigiert werden sollen. Wenn ein Vater dazu gezwungen wird, kann das doch nicht gut sein! Der Ratgeber richtet sich aber keinesfalls gegen Homosexuelle. Die Situation des Vaters ist auf viele Beispiele des Alltags übertragbar. Ich muss mich in die Situation der Person hineinversetzen, die meinen Rat sucht. Aber ich dränge den Menschen meine Meinung nicht auf.

© SZ.de/jobr
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB