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Westerwelle und die "Bunte":Guido hat 'nen Schäferhund

Hat da jemand Hitler gesagt? FDP-Politiker Guido Westerwelle gibt am Obersalzberg ein Interview. Während er über Heimat und Werte schwadroniert, spielt auch ein Schäferhund eine Rolle.

Immer weniger Menschen kaufen die Bunte. Das ist ein Fehler, gerade im Sommerloch. Spät, beinahe zu spät erreicht uns die Nachricht, dass Guido Westerwelle dem People-Magazin aus München ein Interview gegeben hat.

Wahlplakate von CDU, FDP und SPD

Das findet, wer im Bildarchiv nach "Westerwelle" und "Schäferhund" sucht: Wahlplakate aus dem Jahr 2005.

(Foto: dpa/dpaweb)

Die Bunte und Westerwelle führen seit langem eine harmonische Beziehung. Wenn man den Namen des Außenministers ins Archiv eingibt, ist da suchmaschinenoptimiert zu lesen: "Guido Westerwelle: Kauft Haus auf Mallorca", "Guido Westerwelle: Fürchtet sich nicht vor 50. Geburtstag", "Guido Westerwelle: Feiert 50. Geburtstag".

Das bisherige Highlight war die Meldung "Guido Westerwelle: Neue Panne mit seinem Nachnamen", derzufolge die Zeitungen im Sudan irrtümlicherweise einen Herrn "Jildo Fisterfilly" ankündigten, während ein indisches Blatt von Herrn "Guido Wester Welle" berichtete und der Einfachheit halber zu "Herr Welle" überging.

Frauchen ruft, doch Fritz fühlt sich wohl

Aus nicht nachvollziehbaren Gründen haben es diese Nachrichten bislang nicht auf Süddeutsche.de geschafft. Das soll sich beim aktuellen Bunte-Exklusivstück auf keinen Fall wiederholen.

Deshalb nun zum Interview. "Die Sonne brennt vom strahlend blauen Himmel, wir genießen den Blick auf die malerische Bergkulisse", schwärmt Bunte-Chefreporterin Tanja May. "Wir sitzen auf der Terrasse des Hotels 'Intercontinental' auf dem Obersalzberg in Berchtesgarden."

Der Außenminister sei am Vorabend mit seinem Lebensgefährten Michael Mronz in Bayreuth gewesen, bei den Festspielen. "Während Bunte mit Guido Westerwelle über Werte und Heimat philosophiert, kommt ein Schäferhund an unseren Tisch. Sein Frauchen ruft laut 'Fritz', doch Fritz reagiert nicht, er fühlt sich wohl bei uns", schreibt Frau May. Dann sagt Westerwelle: "Ich mag Hunde sehr, früher hatte ich selbst mal zwei Schäferhunde. Heute fehlt mir für Haustiere leider die Zeit - im Flieger kann ich sie ja schlecht mitnehmen."

"Heimat, Bayreuth, Obersalzberg, Schäferhund"

Fehlt da nicht noch was? Klar, aber Frau May hat an alles gedacht: "Was bedeutet Heimat für einen liberalen Außenminister?", lautet die erste Frage des Interviews. "Wenn ich nach einer Reise über die Rheinbrücke fahre, geht mir das Herz auf", antwortet Westerwelle. Anschließend ist von "Wertekanon", "Werteverfall", "Wertewandel" und "Wertekorsett" die Rede.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat treffend kommentiert: "Heimat, Bayreuth, Obersalzberg, Schäferhund - der einzige Politiker, mit dem man diesen Wertekanon bislang verband, war jedenfalls kein FDP-Mitglied."

Und damit zurück zum Sommerloch.