WDR-Rundfunkrat:Eltern an die Macht

WDR-Rundfunkrat: Selbstverständlich für alle da: Auf seiner Homepage wirbt der Verband allerdings mit der Konstellation Mutter-Vater-mehrere Kinder.

Selbstverständlich für alle da: Auf seiner Homepage wirbt der Verband allerdings mit der Konstellation Mutter-Vater-mehrere Kinder.

(Foto: https://www.kinderreichefamilien.de//Screenshot Website)

Der "Verband kinderreicher Familien Deutschland" führt bald Aufsicht über den WDR. Wer sind die und, wenn ja, wie viele?

Von Sarah Zapf

Von Dezember an wird eine umstrittene Organisation im WDR-Rundfunkrat vertreten sein, von der viele Menschen noch gar nicht wissen, dass es sie gibt. Der "Verband kinderreicher Familien Deutschland", kurz KRFD, "fördert, schützt und stützt" laut seiner Homepage Familien mit drei und mehr Kindern. Kein schlechter Ansatz, deren Interessen im Rundfunkrat zu vertreten. Allerdings ist der Verband umstritten - vor allem wegen der erzkonservativen Positionen mancher seiner Mitglieder.

Am fragwürdigsten dürfte Sozialwissenschaftler Manfred Spieker sein, einem Spiegel-Bericht zufolge Mitglied der katholischen Organisation Opus Dei, der Homosexualität als "lebensfeindlich" bezeichnet hat. Eine Äußerung, die nicht zu den Leitlinien des Verbandes passt - geschweige denn zu denen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dazu sagt eine Mitarbeiterin des Verbandes auf Anfrage: "Wir nehmen das sehr ernst, und es wird eine Entscheidung in den nächsten Tagen geben." Zum Personal, das erzkonservatives bis rechtskatholisches Gedankengut in den Verein trägt, gehören auch Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg sowie der Ökonom Bernd Raffelhüschen. Birg, der einst auf einem Bundesparteitag der AfD auftrat, sagte der SZ, er habe seine Mitgliedschaft beendet. Raffelhüschen, der höhere Rentenversicherungsbeiträge für Kinderlose und Ein-Kind-Familien gefordert hat, bestritt auf SZ-Anfrage, den Verband KRFD überhaupt zu kennen.

Kinderreiche Familien würden in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorkommen, heißt es vom Verband

Angesprochen darauf, dass ihr Verein politisch vereinnahmt werde, sagt Elisabeth Müller, die Vorsitzende des Verbandes: "Dass das Thema populistisch aufgegriffen und ideologisiert wird, ist doch untragbar." Ihre Berufung bewertet sie eher schwammig als Zeichen der "ganz vernünftigen Arbeit", die man dort geleistet habe - in der Rolle als "verlässlicher Gesprächspartner". Müller sagt, "wir wurden ermuntert, uns zu bewerben" - aus der CDU-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen. Der dortige Staatskanzlei-Chef Nathanael Liminski, Sohn des Opus-Dei-Journalisten Jürgen Liminski, hat sich 2017 mit dem Verband getroffen.

Wie will ein Verein im Rundfunkrat die Interessen der Öffentlichkeit vertreten, wenn er sich nur für Familien ab drei Kindern einsetzt? Elisabeth Müller sagt: Die Beratungsangebote des Verbands könnten "selbstverständlich" auch von Familien mit einem oder zwei Kindern genutzt werden, allerdings unter bestimmten Voraussetzungen: wenn diese das Leitbild teilen, respektvoll miteinander umgehen und sich in ihren jeweiligen Lebensstilen achten. Und: Kinderreiche Familien kämen in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vor.

Wenige Tage, nachdem die Berufung des Verbandes in den WDR-Rundfunkrat bekannt wurde, versucht die Vorsitzende zu beschwichtigen: Der Verband setze sich natürlich für alle Lebensformen und sexuelle Orientierungen ein. Homophobie habe im KRFD keinen Platz, ist aus dem Haus zu hören, und auch, dass LGBTIQ-Familien selbstverständlich Teil des Verbands seien. Nein, sie seien kein bornierter und engstirniger Verein, fügt Müller hinzu. In der Online-Präsenz lässt sich jedoch keine Willkommensbotschaft für LGBTIQ-Familien finden - mehrheitlich werden Familien in der Konstellation Mutter-Vater-mehrere Kinder gezeigt.

© SZ/cop
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