WDR Mediagroup Sündenfall der Öffentlich-Rechtlichen

Naturgemäß stößt dieses Vorgehen auf Kritik der privaten Konkurrenz. "Das, was die WDR Mediagroup da macht, ist die Karikatur dessen, was der Gesetzgeber wollte", sagt Tobias Schmid. Der Chef des Privatsenderverbandes VPRT zeigt sich fassungslos, vor allem von der Anpreisung, dass nun erstmals Inhalte werblich buchbar seien. "Sich damit noch zu brüsten, zeugt von einem tief verwurzelten Gefühl der Unverwundbarkeit", sagt er. Es möge ja sein, dass man glaube, eine Lücke im Staatsvertrag entdeckt zu haben. Vom Gesetzgeber gewollt sei das Vorgehen sicher nicht.

Schmid stuft den Vorgang als Sündenfall ein, dem andere folgen könnten: "Würde diese Praxis zugelassen, könnten im Ergebnis die Anstalten ihr beitragsfinanziertes Angebot über die kommerziellen Töchter unverändert oder anders konfiguriert streamen, auf diesem Wege zweitvermarkten und parallel zum eigentlichen öffentlich-rechtlichen Programm 'ausstrahlen'."

Dass auch den WDR-Verantwortlichen nicht durchweg wohl ist bei ihrem Tun, zeigt die Reaktion auf eine entsprechende SZ-Anfrage vom Mittwoch: Kurze Zeit später wurde das Werbevideo offline genommen. "Wir haben die WDR Mediagroup gebeten, auf den genannten Werbefilm zu verzichten", sagt eine WDR-Sprecherin.

Kaum Schuldbewusstsein

Das Angebot sei in den Gremien, besonders im Verwaltungsrat, mehrfach diskutiert worden, sagt Ruth Hieronymi, die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrates. "Da die Gremien eine aufsichtsrechtliche Klarstellung beantragt haben, sind die Beratungen allerdings noch nicht abgeschlossen."

Zu der grundsätzlichen Frage, ob man für den Betrieb der Seiten eine Genehmigung brauche, habe der WDR-Verwaltungsrat eine Anfrage an die Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen gerichtet, da der Wortlaut der gesetzlichen Grundlagen nicht eindeutig sei, sagt die WDR-Sprecherin.

Wenig schuldbewusst gibt man sich indes bei der WDR Mediagroup. Auf die Frage, ob da keine Beschädigung von werbefreien Programmmarken wie der Lokalzeit drohe, antwortet Sprecherin Claudia Scheibel mit dem Hinweis, dass die Nutzer der Seiten nicht nach den Programmmarken suchten, sondern nach Inhalten wie Rezepten oder Freizeittipps. "Zudem setzen wir die Werbung sehr dosiert und ausgewählt ein", sagt sie.

Was Töchter halt so sagen, wenn sie ihren Eltern den tätowierten Typen schön und harmlos reden wollen.