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Sparzwänge beim WDR:Zeichen der Zeit

WDR in Köln

Ein Gebäude des Westdeutschen Rundfunks in Köln.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Was Günther Jauch, Alice Schwarzer und Kai Diekmann verbindet: Prominenter Protest gegen die Einstellung von WDR-Geschichtsformaten.

Von Alexander Menden

In einem offenen Brief haben 102 Unterzeichner den Intendanten des Westdeutschen Rundfunks, Tom Buhrow, aufgefordert, für die Erhaltung der Geschichts-Formate Stichtag und Zeitzeichen im Radioprogramm seines Senders zu sorgen. Das im Kölner Stadtanzeiger veröffentlichte Schreiben bezeichnet den Stichtag als "eine radiophone Oase auf WDR 2", das Zeitzeichen als "mediales Ritual": "Beide Sendungen sind akustische Wegmarken, sie gehören zu den beliebtesten Podcasts der ARD und sprechen damit auch ein junges Publikum an", so die Unterzeichner, zu denen Günther Jauch, Alice Schwarzer, Kai Diekmann, Mariele Millowitsch und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zählen. Wenige Programme erfüllten "den öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag so punktgenau wie die Geschichtssendungen im WDR-Hörfunk". Das Zeitzeichen sei seit einem halben Jahrhundert "ein Aushängeschild des Westdeutschen Rundfunks", der Stichtag immerhin seit 23 Jahren.

Der vierminütige Stichtag beleuchtet täglich schlaglichtartig wichtige Ereignisse der Geschichte. Waren dies früher ausschließlich eigenständige Sendungen, handelt es sich mittlerweile teilweise auch um stark gekürzte Versionen der Zeitzeichen. Nun soll die Sendung im Zuge der Sparmaßnahmen beim WDR eingestellt werden. Hintergrund ist unter anderem der Rückzug des Norddeutschen Rundfunks aus der gemeinsamen Finanzierung der Zeitzeichen, wodurch laut WDR die nötigen Mittel für zwei eigenproduzierte Geschichtsformate nicht mehr aufzubringen sind. Der Stichtag soll vom kommenden Frühjahr an durch ein von mehreren Landesrundfunkanstalten gemeinsam entwickeltes "Kalenderblatt"-Format ersetzt werden.

Für die Zeitzeichen, die bereits seit 1972 bedeutende historische Figuren und Begebenheiten vorstellen, hat der Sender hingegen nun eine Bestandsgarantie abgegeben. Was die digitalen Downloads anging, ist die 14-minütige Sendung deutlich erfolgreicher als das kürzere Schwesterformat: Zeitzeichen erreichte online im August 2020 1,35 Millionen Downloads, der Stichtag kam im selben Zeitraum auf 167 023 Abrufe. Laut einer am Dienstag vom WDR veröffentlichten Stellungnahme stehe die längere Sendung "entgegen anderslautender Behauptungen" nicht zur Disposition und werde "fester Bestandteil des WDR-Audioangebots" bleiben.

© SZ/tyc
WDR Köln

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