USA Trump vs. "Morning Joe": Eine absurde Fehde wird brisant

  • Beim Streit zwischen Trump und den Morning Joe-Moderatoren sind pikante Details bekannt geworden.
  • Der Vorwurf ist versuchte Erpressung: Das Weiße Haus soll angeboten haben, eine Enthüllungsgeschichte eines Boulevardblatts zu verhindern.
  • Als Gegenleistung hätten sich die Moderatoren für ihre negative Berichterstattung bei Trump entschuldigen sollen.
Von Beate Wild

Die öffentlich ausgetragende Fehde zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Moderatorenpaar Mika Brzezinski und Joe Scarborough gewinnt an Brisanz. Nach Trumps beleidigenden Tweets über die zwei Gastgeber der Morgensendung Morning Joe, in denen er sie "Psycho Joe" und "Crazy Mika" nannte, sind am Freitag neue pikante Details bekannt geworden.

Die beiden Journalisten werfen Trump vor, er habe versucht, sie mit einer Enthüllungsgeschichte des Boulevardblatts National Enquirer zu erpressen. Demnach soll das Weiße Haus angeboten haben, die Skandalgeschichte zu stoppen, behaupten Brzezinski und Scarborough in einem Gastbeitrag in der Washington Post. Die Bedingung sei gewesen, dass die beiden den Präsidenten persönlich darum bitten. Doch diesen "verzweifelten Appell" hätten sie ignoriert, schreiben die Moderatoren.

In der Freitagssendung von Morning Joe elaborierte Scarborough: "Sie sagten, wenn ihr den Präsidenten anruft und euch für eure Berichterstattung entschuldigt, dann wird er den Telefonhörer zur Hand nehmen und die Story vereiteln." Brzezinski erzählte, die Zeitschrift hätte wegen der Geschichte sogar ihre Kinder und enge Freunde angerufen. Das Weiße Haus hätte entgegnet, dass es Möglichkeiten gäbe, dass dies aufhöre.

Dazu muss man wissen: Trump ist ein alter Freund von David Pecker, dem Herausgeber des National Enquirer. Die engen Beziehungen des Präsidenten zu dem Boulevardblatt und dessen Hofberichterstattung sind schon lange keine Geheimnis mehr.

Akkurat berichtet, nicht bedroht

In der Geschichte mit dem Titel "Morning Joe: Schäbiger Betrugsskandal!", die am 5. Juni 2017 vom National Enquirer veröffentlicht wurde, ging es um die langjährige heimliche Beziehung der beiden Moderatoren. Unter anderem hieß es darin, das Paar habe sich nur verlobt, nachdem der Enquirer mit der Veröffentlichung privater Details gedroht hätte.

In einem Statement sagte Dylan Howard, Chefredakteur des Verlags American Media, dem der Enquirer gehört, dieser habe "akkurat" berichtet und zu keinem Zeitpunkt Joe oder Mika oder ihre Kinder "bedroht". Von den Gesprächen der Moderatoren mit dem Weißen Haus will Howard nichts gewusst haben.

Am Freitag wurde das Thema mit dem Unternehmer und Talkshowmoderator Donny Deutsch in Morning Joe besprochen. Dieser bezeichne den Präsidenten als "vulgäres Schwein", der "körperlich abstoßend" sei. Trump sei "geistig nicht in Ordnung".

Trump wäre nicht Trump, wenn er diese Frontalattacken auf sich sitzen lassen würde. Wenige Minuten nach der Sendung feuerte er auf Twitter zurück: Er habe gerade nach langer Zeit zum ersten Mal wieder die schlecht laufende Sendung Morning Joe gesehen. "FAKE NEWS!", zürnte er. Und über Joe Scarborough schrieb er weiter: "Er hat mich angerufen, um den Artikel im National Enquirer zu stoppen. Ich habe Nein gesagt! Schlechte Show!"

"Warum lügen Sie weiter?"

Das wiederum veranlasste Scarborough zu dem Tweet: "Schon wieder eine Lüge. Ich habe Texte von Ihren Top-Mitarbeitern und Telefonaufzeichnungen. Außerdem zeigen diese Aufzeichnungen, dass ich seit vielen Monaten nicht mit Ihnen gesprochen habe. Warum lügen Sie weiter über Dinge, die so einfach zu überprüfen sind? Was ist los mit Ihnen?"

Das New York Magazine enthüllte schließlich am Freitagnachmittag, dass Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn und Berater im Weißen Haus, derjenige Mitarbeiter gewesen sei, der dem Moderatorenpaar gesagt habe: Wenn ihr euch entschuldigt, kann Trump die Geschichte stoppen. Ein Sprecher Kushners wollte diese Version der Geschichte jedoch nicht kommentieren.

Fox News berichtet dagegen, es habe sich nicht um einen "Erpressungsversuch" von Seiten Trumps oder Kushners gehandelt. Der Sender zitierte das Weiße Haus mit der Aussage, dass es Scarborough selbst gewesen sei, der Kushner kontaktiert habe. Der Moderator habe angefragt, ob die Enthüllungsgeschichte nicht zu verhindern sei.

Nicht das Gesicht geliftet, sondern den Hals

Zu guter Letzt sprach Mika Brzezinski auch noch mit der Online-Ausgabe von Vanity Fair. Ein Gesichtslifting, wie Trump in seinem Tweet behauptet hatte ("Sie hat schlimm geblutet von einem Facelifting"), habe sie nie gehabt, erfährt der Leser. Sie habe sich aber den Hals straffen lassen, ihre Mutter habe ihr dazu geraten. Es sei nie ein Geheimnis gewesen, alle ihre Freunde hätten davon gewusst.

Bei dem von Trump erwähnten Treffen in seiner Florida-Residenz Mar-a-Lago habe der Präsident sie sogar noch um den Namen ihres Chirurgen gebeten, erzählte die Moderatorin. Immer wieder habe er gesagt: "Das ist unglaublich. Man merkt es nicht einmal. Wer hat das gemacht? Wer war das?" Das Weiße Haus wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

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