US-Wahlkampf Das sagt die Presse zu Trumps Tabubruch

Fazit der internationalen Presse: Es war nicht Clintons beste Debatte. Und nicht Trumps schlechteste. Doch ein einziger Satz torpediert seine bis dahin respektable Leistung.

Verluste lassen sich besser analysieren als Siege - diesen Eindruck bekommt man nach einem Blick in die Kommentare zur dritten TV-Debatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Die Umfragen sehen Clinton als Gewinnerin der Debatte, die Medien allerdings konzentrieren sich mehrheitlich auf Trumps Scheitern.

"Trump startet stark in der Debatte - und dann ein mörderischer Fehler", titelt die Washington Post. Der Fehler: Trumps Aussage, das Wahlergebnis eventuell nicht zu akzeptieren. "Es war, wie der Moderator Wallace nahelegte, eine unerhörte Abweichung in der Geschichte des Landes. Es war außerdem ein Riesenfehler", schreibt die Zeitung.

Dabei habe das TV-Duell für Trump gar nicht schlecht angefangen, findet die Post: "Als die letzte Debatte begann, schien es, als ob es die beste der drei werden könnte und sicherlich Trumps beste. Am Ende war es die Geschichte der Trump-Kampagne 2016 in einem Mikrokosmos: Eine Folge von wütenden Wortwechseln, Unterbrechungen und Beleidigungen, die alles unterwanderten, was er zuvor geleistet hatte."

Auch die USA Today sieht in Trumps Weigerung, das Wahlergebnis anzuerkennen, einen schweren Fehler: "Donald Trump beendet seine Bewerbung zum Präsidenten genauso wie er sie begann: Er war trotzig und provokativ, er brach die Regeln einer Präsidentschaftskampagne und ignorierte den Rat von Experten - und er wurde zum ersten Präsidentschaftskandidaten der Geschichte, der sagt, er würde nicht notwendigerweise die Wahlergebnisse vom 8. November akzeptieren."

Die New York Times dagegen sah während der Debatte einige Versuche Trumps, sich geläutert zu geben: "Er war weniger impulsiv. Er unterbrach weniger. Der dünnhäutige, überspannte Rüpel der ersten beiden Debatten war verschwunden." Allerdings, bilanziert die NYT, habe dieser Versuch einer Wandlung am Ende wenig am Ausgang der Debatte geändert: "Es war nicht Clintons beste Debatte. Es war nicht Trumps schlechteste. Aber er brauchte mehr als ein Unentschieden. So sehr wie Trump in wirklich jedem Swing State hinten liegt und angesichts seines schwindenden Rückhalts, hätte er gleichzeitig Clinton schlecht und sich selbst gut aussehen lassen müssen. Es war sehr viel verlangt. Und Trump ist es nicht gelungen."

In eine ähnliche Richtung geht die Einschätzung der LA Times: "Trump hatte heute Nacht eine Herkulesaufgabe vor sich und er ist ihr nicht gerecht geworden, vor allem in der letzten Hälfte der Debatte und wenn es um das detaillierte Verständnis von Problemen ging, denen sich der nächste Präsident stellen muss. Im Kampf der beschädigten Kandidaten ist er derjenige, der am meisten hervorsticht, wie er mit seiner sturen Weigerung bewies, zu sagen, ob er das Wahlergebnis akzeptieren würde oder nicht."

Auch die internationale Presse sieht Clinton als die Gewinnerin der TV-Debatte. Die französische Tageszeitung Le Monde findet, Trump habe ungewöhnlich schwach reagiert, als Clinton auf die Vorwürfe der sexuellen Belästigung zu sprechen kam, die einige Frauen gegen Trump erheben: "Trump, der ähnliche Anschuldigungen gegen den Mann seiner Gegnerin, den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton, ausgegraben hat, hätte attackieren können. Doch er hatte offensichtlich schon die nötige Konzentration verloren, um die eigenen Argumente nutzen zu können."

Die britische Tageszeitung The Guardian sieht auch Clinton als klare Gewinnerin des TV-Duells: "Trump hat seine letzte Chance vergeigt, sich selbst als einen glaubwürdigen Präsidenten zu präsentieren, während Clinton, die die ganze Zeit ihre Selbstbeherrschung behielt, gefestigt wirkte."