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US-Medien:"Wir haben keine andere Wahl, als korrekte Geschichten zu erzählen."

Auch um die geplanten europäischen Expansionen ist es vielsagend still geworden. Im März noch hatte der Rom-Korrespondent der Website in der Zeit zu Protokoll gegeben, dass man kurz vor der Eröffnung der deutschen Niederlassung stehe, es seien bereits Bewerbungsgespräche geführt worden. Ein paar Tage später ruderte derselbe Herr zurück: In der Zeitung Junge Freiheit erklärte er, die Expansion sei auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Auch heute ist aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören, dass Niederlassungen in Frankreich und Deutschland vorerst nicht realisiert werden.

Obwohl eine deutsche Dependance von Breitbart nie mehr war als eine Ankündigung, sorgte die Aussicht für eine gewisse Nervosität. Breitbart positionierte sich schon vor der Kandidatur Trumps als Portal des Widerstands gegen die politische Elite, als Plattform der Frustrierten. Das Portal hatte für den Wandel gekämpft - und dass es damit erfolgreich war, könnte sein Verhängnis sein. Es ist quotenträchtiger, wütend gegen eine Regierung anzuschreiben, als das neue System zu verteidigen. Breitbart greift heute nicht mehr mit offenem Visier an, sondern versucht den Lesern fast brav und damit für Breitbart-Verhältnisse stinklangweilig zu vermitteln, dass der Brexit und Trumps Wahl doch gar keine so schlechten Entscheidungen gewesen seien. Chefredakteur Marlow sagte kürzlich der New York Times: "Versuchen wir, eine legitime Nachrichtenseite zu werden? Ja. Wir sind nun so bekannt und werden derart penibel überprüft, dass wir keine andere Wahl haben, als korrekte Geschichten zu veröffentlichen."

Podolski will juristisch gegen Breitbart vorgehen

Ganz so ist es auch wieder nicht, am Wochenende jedenfalls veröffentlichte Breitbart einen Artikel über Schleuser, die Menschen auf Jet-Skis von Gibraltar nach Spanien gebracht haben sollen. Das Foto zum Text zeigt den Fußballspieler Lukas Podolski im Urlaub. Inzwischen ist das Bild gelöscht, Breitbart hat sich entschuldigt. Podolski hat angekündigt, trotzdem juristisch gegen die Website vorzugehen.

Breitbart.com

Die rechtspopulistische Website Breitbart wurde 2007 von dem Journalisten Andrew Breitbart mit dem Ziel gegründet, "der israelfeindlichen Tendenz der Mainstream-Medien" etwas entgegenzusetzen; später sagte er, die Garde der alten Medien zerstören zu wollen. Breitbart gilt als wichtiger Faktor für den Wahlerfolg von Donald Trump; etwa 100 Mitarbeiter hat die Redaktion mit Sitz in Los Angeles, regionale Berichterstattung gibt es aus London, Jerusalem, Texas und Kalifornien. Zum Angebot gehört auch eine tägliche Nachrichtensendung im Radio. Nach dem Tod des Gründers 2012 führte Steve Bannon die Geschäfte, bis er sich 2016 freistellen ließ, um Trump zu unterstützen.

Ob die Podolski-Nummer nun wirklich ein irrwitziger Fehlgriff war oder am Ende eine kalkulierte PR-Aktion - pünktlich zur Rückkehr Bannons dürfte auch wirklich der Letzte von der Existenz Breitbarts gehört haben. Bannon jedenfalls soll sich am vergangenen Mittwoch, zwei Tage vor seinem letzten Tag im Weißen Haus, bereits mit Robert Mercer getroffen und über eine Finanzspritze für Breitbart und die künftige Ausrichtung unterhalten haben. Der amerikanische Milliardär hat bereits zehn Millionen Dollar in den Aufbau der Nachrichtenseite investiert, angesichts der fallenden Werbeerlöse soll Mercer nun bereit sein, weitere Millionen bereitzustellen.

Geld für Bannons "Krieg", der offenbar nicht nur den Demokraten oder den linksliberalen Medien gilt, sondern auch Trump-Vertrauten wie Gary Cohn oder Jared Kushner sowie prominenten Republikanern, die Bannon für verweichlichte Drückeberger hält. Lyndon B. Johnson hat mal über den damaligen FBI-Direktor J. Edgar Hoover gesagt: "Es ist vielleicht besser, wenn wir ihn bei uns im Zelt behalten und er hinauspinkelt - als wenn er draußen steht und hereinpisst." Schon möglich, dass Trump bald ähnlich über Bannon denkt.

© SZ vom 22.08.2017/jdhz

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