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Weißes Haus:Bannon, der Barbar

Ruhe wird es im Weißen Haus nicht geben: Trumps gekündigter Chefberater will "Krieg" gegen seine Gegner in Washington führen -sogar gegen die Familie des amerikanischen Präsidenten.

Von Hubert Wetzel

March 20 2017 Washington District of Columbia United States of America Presidential Advisor S

Jetzt wieder Chef des ultrarechten Nachrichten-Portals "Breitbart News", Stephen Bannon.

(Foto: imago/ZUMA Press)

In dem Mafia-Epos "Der Pate" wird der Begriff "auf die Matratzen gehen" erklärt: Wenn früher in New York zwischen zwei Verbrecherfamilien ein Krieg ausbrach, wurden Wohnungen angemietet und mit vielen Schlafplätzen - also Matratzen - ausgestattet. Dort konnten die Fußsoldaten der Mafia-Clans dann unterkommen und sich zwischen den Kämpfen etwas ausruhen.

Die Redewendung beschreibt freilich auch ganz gut das, was Stephen Bannon künftig vorhat. Am Donnerstag voriger Woche war er noch Chefstratege von US-Präsident Donald Trump und hatte ein Büro im Westflügel des Weißen Hauses. Am Freitagmorgen ging er gar nicht erst zur Arbeit, er wusste, dass an diesem Tag seine Entlassung bekannt gegeben würde. Am Freitagabend leitete er dann bereits wieder die Redaktionskonferenz bei Breitbart News, der rechtspopulistischen Internetseite, die er schon vor seiner Arbeit für Trump geführt hatte. Und der sonst so verschwiegene Bannon ließ jeden in Washington, den es interessierte, wissen: Er geht auf die Matratzen, von jetzt an führt er Krieg. Für Trump und gegen die Opposition.

Bannons Rauswurf - oder wie er es darstellt: seine Kündigung - schlug am Freitag hohe Wellen in Washington. Allerdings war darüber schon seit Wochen spekuliert worden. Trump ließ sich weithin damit zitieren, dass er seinen früheren Wahlkampfmanager und späteren Chefstrategen Bannon satthabe. Interessanterweise waren es aber wohl keine ideologischen oder politischen Differenzen, die die beiden auseinandertrieben. Im Gegenteil: Was die Weltsicht angeht, steht Bannon Trump vermutlich näher als die meisten ranghohen Leute im Weißen Haus.

Bannon war ein begeisterter Befürworter der harschen, nationalistischen Außen-und Wirtschaftspolitik von Trump. So wie der Präsident glaubt er, Amerika werde von einer korrupten Politikerkaste regiert - dem "Sumpf" in Washington -, von kriminellen Einwanderern überrannt und von der Welt verlacht und ausgebeutet. Es war auch Bannon, der Trump in den vergangenen Tagen darin bestärkt hatte, den Aufmarsch weißer Rassisten und Neonazis in Charlottesville nicht zu scharf zu verurteilen, um wichtige Wähler nicht zu verprellen. Inhaltlicher Streit war also kaum der Trennungsgrund. Deswegen ist Bannon auch nicht der übliche vergrätzte ehemalige Angestellte, der sich jetzt gegen seinen Chef wendet.

Bannons dauernde Dolchstöße aus dem Hinterhalt ärgerten den US-Präsidenten

Stattdessen war Trump zum einen offenbar einfach neidisch. Es ärgerte ihn gewaltig und kränkte seinen Stolz, dass Bannon in den Medien immer wieder als das mächtige, düstere Genie dargestellt wurde, das Trump zuerst zum Präsidenten gemacht hatte und nun angeblich steuerte. Sogar in seinem Abschiedstweet an Bannon wies Trump deswegen noch einmal darauf hin, dass dieser seinem Team doch eher spät beigetreten sei. Dass Bannon Trump zuvor mit einer skrupellosen Propagandakampagne auf Breitbart den Weg zur republikanischen Präsidentschaftskandidatur freigeschossen hatte, erwähnte der Präsident nicht.

Bannons Verhalten im Weißen Haus stimmte den beleidigten Trump nicht milder. Das war offenbar der zweite Grund für die Entlassung. Bannon führte als Chefstratege einen ständigen Guerillakrieg gegen die Kollegen, die er als "Globalisten", "Kosmopoliten" oder gleich als "New Yorker Demokraten" verhöhnte - jene Trump-Berater, die er für nicht hinreichend nationalistisch und für zu elitär und liberal hielt. Zu diesem Flügel gehören Trumps Tochter Ivanka und sein Schwiegersohn, Jared Kushner, Wirtschaftsberater Gary Cohn und Sicherheitsberater H. R. McMaster. Immer wieder tauchten auf Breitbart negative Berichte über diese Mitarbeiter auf.

Bannons dauernde Dolchstöße aus dem Hinterhalt ärgerten auch Trumps neuen Stabschef John Kelly. Er hat den Auftrag, Ordnung ins Weiße Haus zu bringen. Bannon aber schaffte ständig neues Chaos. Schlimmer noch: Er ermutigte auch Trump, dem Kelly keine Befehle geben kann, ständig neues Chaos zu schaffen, indem er jedes ruppige Bauchgefühl in einen Tweet verpackte und rausließ.

Vor einigen Tagen zog Bannon dann in einem Gespräch mit einem Journalisten offen gegen seine Gegner vom Leder, er erzählte, wen er alles feuern werde und dass sich die Globalisten "in die Hose machen". Zudem widersprach er Trump: Während der Präsident Nordkorea wegen dessen Atomprogramm offen mit einem Militärschlag gedroht hatte, sagte Bannon, es gebe keine militärische Lösung für den Konflikt. Damit war das Maß voll, Bannon musste gehen. Selbstherrlichkeit und Anmaßung kann sich in dieser US-Regierung nur einer leisten - der Präsident.

Diese Lage verheißt freilich wenig Gutes für die Zukunft. Zwar verlässt in Bannon einer der wichtigsten Vertreter der harten Nationalisten das Weiße Haus. Doch der wichtigste bleibt - Trump. Zudem erwarten viele Beobachter, dass der Präsident auch künftig Bannons Rat suchen wird. Und Bannon wird Trump zweifellos drängen, bloß keine Zugständnisse zu machen an Umweltschützer, Freihändler, Bürgerrechtler, Verbündete oder das verkommene politische Establishment.

Das heißt aber auch, dass "die Opposition", gegen die Bannon mit Breitbart künftig "Krieg" führen will, nicht in erster Linie die Demokraten sind. Stattdessen wird er weiter seine Feinde im Weißen Haus unter Feuer nehmen, darunter "Javanka", wie er Jared und Ivanka spöttisch nennt. Auch die Republikanerführer im Kongress und alle Parlamentarier, die Trump anzweifeln, werden zur Zielscheibe werden. Sie sollten, so drohte der Gekündigte, sich bereit machen für "Bannon den Barbaren".

Allerdings kommt auch Stephen Bannon nicht an einer alten Washingtoner Wahrheit vorbei: Nichts verleiht so viel Macht und Einfluss wie ein Büro im Weißen Haus. Und das hat er nicht mehr.

© SZ vom 21.08.2017

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