Spielfilmtipps zum Wochenende:Der schöne Schein

Spielfilmtipps zum Wochenende: Die kühle Carol (Cate Blanchett) wird beim Shopping von blitzartiger Liebe zu der Frau unter der Weihnachtsmütze (Rooney Mara) ergriffen.

Die kühle Carol (Cate Blanchett) wird beim Shopping von blitzartiger Liebe zu der Frau unter der Weihnachtsmütze (Rooney Mara) ergriffen.

(Foto: WDR/Degeto/DCM Film)

"Carol", "Get Out - Rette deine Haut", "Sabrina" und "Eins, zwei, drei": die Fernsehtipps zum Wochenende.

Von Susan Vahabzadeh

Carol

Melodram, WDR, Samstag, 23.30 Uhr

Carol ist ein Geist, denn sie darf nicht sein, wer sie ist. Die elegante Carol (Cate Blanchett) stolziert in einen Laden in New York, 1952, kurz vor Weihnachten, um ein Geschenk zu kaufen- und trifft dort auf eine junge Frau, Therese (Rooney Mara), die sie bald wegen ihrer vergessenen Handschuhe kontaktieren wird. Carol steckt mitten in einer schmutzigen Scheidung - ihr Mann weiß, dass Carol Frauen liebt, und nun versucht er, für die gemeinsame Tochter das alleinige Sorgerecht zu erstreiten, indem er es gegen sie verwendet. Das bekommt Therese mit, als sie Carol in New Jersey besucht. Es zieht sie nur noch mehr in Carols Bann. Die beiden Frauen gehen nun auf eine gemeinsame Reise. Der Filmemacher Todd Haynes hat das Knistern zwischen den beiden Frauen, diese Liebe auf den ersten Blick, sehr spürbar inszeniert, ohne je aufdringlich zu werden. Aber die großartige amerikanische Fünfzigerjahre-Weihnachtsatmosphäre ist mehr als nur Hommage ans Hollywood-Kino dieser Zeit. Hinter den leuchtenden, perfekten Fassaden lauert die Restriktion, eine Welt, in der nichts mehr zählt als der schöne Schein.

Get Out - Rette deine Haut

Thriller, ZDF, Nacht zu Sonntag, 1 Uhr

Selten hat ein Regiedebüt so eingeschlagen, wie Jordan Peeles Horrorfilm Get Out es 2017 getan hat: Der Fotograf Chris Washington (Daniel Kaluuya) fährt mit seiner neuen Freundin Rose (Allison Williams) das erste Mal zu ihren Eltern aufs Land. Er ist ein wenig besorgt und fragt sie, ob ihre weißen Eltern wissen, dass er schwarz ist. Aber Rose beruhigt ihn, die Armitages seien nun wirklich keine Rassisten. Aber merkwürdig sind sie schon, wie Chris bald auffällt, und ihre Freunde, die zu einer Party erscheinen, sind mindestens genauso seltsam. Roses Mutter hypnotisiert Chris, vermeintlich, um ihm das Rauchen abzugewöhnen. Einen der Gäste versucht Chris zu fotografieren, um herauszubekommen, wer er wirklich ist - und das Blitzlicht hat einen unerwarteten Effekt. Chris ist in ein fürchterliches Komplott hineingestolpert, so eine Art Invasion der Körperfresser mit einem Hauch Being John Malkovich, aber mit einer politischen Meta-Ebene: In Peeles Film ist der größte Feind einer farbenblinden Gesellschaft ein selbstsüchtiger, wohlhabender weißer Mittelstand, der sich selbst für liberal hält.

Sabrina

Romanze, 3sat, Sonntag, 17 Uhr

Falscher Wilder: Es hat schon einen Filmemacher vom Kaliber von Sydney Pollack (Tootsie, Die drei Tage des Condor) gebraucht, um sich an einen von Billy Wilders Klassikern heranzutrauen, noch dazu an einen, der mit Audrey Hepburn und Humphrey Bogart besetzt war. Dessen Rolle übernahm 1995 Harrison Ford, er spielt Linus, den verknöcherten älteren Sohn des Larrabee-Clans. Sabrina - Pollack besetzte die Rolle mit Julia Ormond, die sich passabel schlägt, trotz der zierlichen Fußstapfen, in die sie da treten muss - ist die Tochter des Chauffeurs, die nun von einer längeren Paris-Reise zurückkehrt. Nicht einmal ihr heimlicher Schwarm erkennt sie noch. Und der ist natürlich nicht Linus, sondern sein kleiner hübscher Bruder David (Greg Kinnear). Weil David aber schon mit einer in jeder Hinsicht passenden Dame liiert ist, macht sich Linus an Sabrina heran, als Ablenkungsmanöver. Für Sydney Pollack, den Meister des politisch aufgeladenen Genre-Kinos, war Sabrina Übung in Leichtigkeit und Schönheit, ein ganzer Film einfach nur zum Spaß.

Eins, zwei, drei

Komödie, Sonntag, rbb, 23.45 Uhr

Echter Wilder: Wenn James Cagney, als Leiter der deutschen Coca-Cola-Vertretung, Mac genannt, durchs Großraumbüro in Berlin schreitet, springen alle auf von ihren Stühlen, und er brüllt: Sitzen machen! Die deutsche Folgsamkeit war Regielegende Billy Wilder, der Anfang 1934 aus Berlin nach Amerika emigrierte, eben ein Graus. Mac, der auch wegwill aus Berlin, würde sich gern bei Coca-Cola für eine Beförderung empfehlen, in dem er seiner Firma die Nachkriegs-Sowjetunion als Markt erschließt. Stattdessen stellt ihm sein Chef eine nahezu unlösbare Aufgabe: Er soll aufpassen, dass dessen 17-jährige Tochter Scarlett während eines Berlin-Besuchs nichts anstellt, aber die will gar nicht mehr nach Hause, weil sie sich in Ost-Berlin den hübschesten Kommunisten geangelt hat, den sie auftreiben konnte, Otto (Horst Buchholz) - den hat sie heimlich geheiratet. Letztlich bleibt Mac keine Wahl: Er muss Otto in Windeseile zum Kapitalisten umschulen. Das Drehbuch von Billy Wilder und I. A. L. Diamond zündet auf dem Weg dorthin ein Gagfeuerwerk, vorausgesetzt man liebt Filmverweise und macht sich gern über Ideologen lustig. Gedreht wurde im Münchner Filmstudio in Geiselgasteig, nicht in Berlin -da entstand zur Zeit der Dreharbeiten gerade die Mauer. Egal - ein unverwüstlicher Film. Sitzen machen!

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