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TV-Serie "True Detective":Der Wahnsinn kommt nach Los Angeles

True Detective

Ray Velcoro (Colin Farrell) in True Detective: Wie können sich die Figuren nach mehreren Staffeln noch weiterentwickeln?

(Foto: AP)

Die erste Staffel von "True Detective" war brillantes Fernsehen. Jetzt geht es weiter, in einer anderen Stadt, mit Colin Farrell und Vince Vaughn. Gelingt ein weiterer Blick in den menschlichen Abgrund?

Es ist mit Exfreundinnen nicht immer leicht. Schwieriger als notwendig wird es allerdings, wenn man selbst ein Schläger ist, der beim Trinken lediglich zwischen Scotch und Bourbon wechselt. "Du bist schlecht. Du bist ein schlechter Mensch", sagt deshalb Ray Velcoros hübsche Ex zu ihm und schickt sich an, ihm den Umgang mit dem gemeinsamen Sohn zu verbieten. Dabei ist der doch das einzige, was Velcoro überhaupt noch hat. Seinen Sohn - und einen Toten ohne Augen sowie zwei neue Kollegen. Es gab schon glücklichere Kleinstadtpolizisten. Soweit der klassisch versoffene und natürlich auch nicht ganz saubere Polizistencharakter.

Die Kollegin ballert sich durch L. A., mit etwas zu viel Wut im Herzen

In der zweiten Staffel von True Detective ermittelt Velcoro zusammen mit dem Motorradpolizisten Paul Woodrugh, der wenig redet, obwohl er viel zu erzählen hätte. Aber nur sein verbrannter Körper weist auf eine düstere Vergangenheit hin. Fazit seiner Freundin, die stets auf dem Weg ist, seine Exfreundin zu werden: "Mit dir ... mit dir stimmt einfach was nicht." Ach, tatsächlich? Und dann ist da noch die Dritte im Bunde, Ani Bezzerides, die sich durch ein offenbar schwer korruptes Los Angeles ballert, das Abzeichen des Sheriff's Department am Gürtel, die Pistole in der Hand und eine etwas zu große Ladung moralisch aufgeladene Wut im Herzen.

Die drei Hauptfiguren der zweiten Staffel werden sich also um den toten Mann ohne Augen kümmern. Ein harter Job, aber nicht so hart wie jener, den Schauspieler bewältigen müssen, die diese Rollen spielen. Nicht, dass mit ihnen was nicht stimmen würde: Colin Farrell spielt Ray Velcoro in einer Weise, als habe er nie etwas anderes getan, Rachel McAdams brilliert als die junge, gleichwohl vom Leben gehärtete Polizistin ebenso wie Taylor Kitsch in der Rolle des Highwaycops. Als Zugabe spielt Vince Vaughn einen Halbkriminellen mit Geld- und Karriereproblemen. Alles gut gemacht.

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So wird die zweite Staffel "True Detective"

In den neuen Folgen der US-Fernsehserie müssen sich neue Polizisten mit neuen Kriminalfällen herumschlagen. Das sind diesmal unter anderem: Colin Farrell und Rachel McAdams.

Das Problem ist ein anderes, nämlich dass True Detective eine Anthologieserie ist. Das heißt: In jeder Staffel eine neue Handlung, neues Personal und einen neuen Ort. Und die erste Staffel war womöglich das Brillanteste, was Fernsehen in den letzten fünf Jahren hervorgebracht hat. Schon nach der ersten Folge blieb man staunend zurück: Wie haben die das gemacht? Die Hitze, die Verdorbenheit, die Begierde und den Zorn einfach mal so in eine Serie gepackt? Matthew McConaughey als verbitterter, intelligenter Nihilist und Woody Harrelson als sein Kollege, der so gerne an etwas glauben würde, obwohl nichts mehr da ist, an das er glauben könnte. Die beiden haben auf ihrem Weg durch die Sumpfgebiete Louisianas dafür gesorgt, dass die Erwartungen an die zweite Staffel durch die Decke gehen.

Die Frage ist jetzt: Gelingt dem neuen Cast, aber auch Action-Könner Justin Lin (Regie) sowie Autor Nic Pizzolatto ein weiterer Blick in den menschlichen Abgrund?

Einerseits ist es natürlich so, dass die Erwartungen schon enttäuscht sind, wenn zu Beginn nach dem Sender-Logo eben nicht die Raffinerien im Süden von Louisiana auftauchen, und wenn eben nicht das Country-Duo The Handsome Family "Far from Any Roads" singt. Andererseits ist Leonard Cohen, der nun das Intro singt auch richtig gut.

Und Pizzolatto wuchs zwar in Louisiana auf, aber er kennt Kalifornien ausgezeichnet. "Uns war klar, dass wir uns nicht wiederholen dürfen", sagt er, "oder dieselbe Story in anderer Umgebung erzählen können." Vielleicht ist das die einzige Möglichkeit, nach der ersten Staffel überhaupt weiterzumachen. Bei Null anfangen.

Der Wahnsinn von Los Angeles hat schon vielen einen neuen Start erlaubt. Pizzolatto wiederum erzählt vom Wahnsinn: Nackte Frauen, die vor Webcams masturbieren, dubiose Priester mit noch dubioseren Heilsversprechen, abgehalfterte Schönheitschirurgen in sündhaft teuren Privatkliniken, ein größenwahnsinniges Zugprojekt, das für Milliarden Dollar ganz Kalifornien verbinden soll, so wie das derzeit tatsächlich immer wieder diskutiert und geplant wird. Und dann ist da noch ein dauerbetrunkenes Hollywoodsternchen mit Fußfessel, die - schönen Gruß an Lindsay Lohan - Lacey Lindel heißt. Der Tote wiederum arbeitete, als er noch Augen und Herzschlag hatte, als mutmaßlich korrupter City Manager. Das Problem gab es echt, wie die Los Angeles Times einst aufschrieb. Und das alles sind nur die ersten beiden Folgen. Kalifornien kann offenbar ein ebenso schlimmer Ort sein wie Lousiana. Gut so.

True Detective, im Original auf Abruf bei Sky ab 21. Juni; dt. Fassung ab September im Sky-TV