bedeckt München 23°
vgwortpixel

TV-Kritik: Fashion & Fame, Model-WG, Satire Gipfel:Ein etwas gruseliger Promi-Gast

Der mintgrüne One-Shoulder-Entwurf der Gewinnerin hingegen wird direkt im Anschluss der Sendung auf der Pro-Sieben-Homepage über den Otto-Versand beworben und unter dem Namen "Göttin" für 39 Euro verkauft - praktischerweise trägt Pro-Sieben-Moderatorin Annemarie Warnkross im Anschluss in der Red-Carpet-Sendung Red! das gute Stück auch schon mal, während sie den Beitrag über Philip Plein und seine guten Verbindungen zum internationalen Jetset anmoderiert, zu dem Persönlichkeiten wie der französische Präsidentensohn Pierre Sarkozy und die US-Schauspielerin Mischa Barton gehören, die die Fashion-and-Fame-Sendung selbst noch in unterschiedlichen Funktionen beehren werden.

Etwas gruselig auch der Promi-Gast der ersten Stunde: Popsternchen Aura Dione als furchterregend schwarzes Gesamtkunstwerk mit dem unvermeidlichen Leopardenlook am Bein. Stil sieht anders aus - vor allem auch deshalb, weil Philip Plein als Gastgeber rein äußerlich doch sehr an den Wendler erinnert.

Das Personal ist also austauschbar - dachte man sich bei Pro Sieben auch für die nachfolgende Sendung: die Model-WG. Wie im Jahr zuvor leitet Modelagent Peyman Armin die Sendung, der sich inzwischen mit seiner ehemaligen Chefin aus GNTM überworfen haben soll - doch die Nachwuchsmodels, die er bei sich einziehen lassen möchte, sind nicht mehr länger Altkandidaten aus der Klum-Show, sondern unvorbelastete Nachwuchstalente aus dem echten Modelleben. Das macht die Sendung zwar weniger Klatsch- und-Tratsch-freudig, dafür aber etwas frischer:

Abgesehen von Uma Thurmans Patentochter, die als "New Face" bezeichnet wird, dazu aber noch sehr viel Schminke braucht, haben alle Kandidatinnen bereits eigene Erfahrungen auf Castings gesammelt - und sind nebenbei als Fußballspielerin und in der Autowaschanlage tätig, wollen unbedingt nach New York, solange sie nach eigenen Angaben noch attraktiv sind, oder kommen aus Rumänien und wollen ihre Familie unterstützen, die vom Fernsehen beim Einnehmen von Hausmannskost gefilmt wird. Bleibt also alles beim alten, nur diesmal ohne den Einfluss der gefürchteten Model-Mama.

Wer sich als abendlicher Fernsehzuschauer durch diese beiden eindrucksvollen Belege dafür gekämpft hat, dass dank Castingwahn nach der Musikindustrie nun auch die Modeindustrie zum öffentlich entfesselten Marketingzirkus mutiert und sowohl Kunst als auch Anspruch dringend andere Wege gehen müssen, der hätte sich eigentlich auf eine Sendung freuen können, die das Gegenteil verspricht: Unterhaltung, bei der der Zuschauer noch selber denken darf. Doch auch der Satire Gipfel in der ARD wurde von diesem Donnerstag an personalbereinigt - und der oberste Wutbürger Mathias Richling durch einen Mann ersetzt, von dem bei so manchem nur ein Satz bekannt ist: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten."