TV-Kritik: Dschungelcamp Promi-Resterampe im Busch

Rainer Langhans im RTL-Dschungelcamp - was hatte man sich davon nicht alles versprochen. Doch am Ende musste ein anderer Promi-Senior Kotzfruchtsaft trinken und der Ex-Kommunarde tat, was er am besten kann: gar nichts.

Eine Nachtkritik von W. Winkler

Selbst in den besten Familien soll es vorkommen, dass einer allen anderen furchtbar lästig wird. Die moderne Welt hat dafür die Altersheime erfunden, die natürlich nicht so heißen, sondern mit putzigen Namen die grausame Tatsache verdecken wollen, dass Oma und Opa bloß noch stören - das aber bitte anderswo tun sollen.

Begrüßen die Kandidaten zu den gefürchteten Dschungel-Prüfungen: die RTL-Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach.

(Foto: dpa)

Für Stars und vor allem für solche, die eigentlich keine sind, gibt es das "Dschungelcamp". Das Star-Wesen hat nämlich ein bisschen überhandgenommen in den letzten Jahren.

Wohin mit dem Überangebot an Nichtskönnern und Dauernullen?

Ständig werden neue, vermeintliche Vertreter dieser Spezies generiert. Kaum hat einer als grauenhaft verstümmelte Leiche in Alarm für Cobra 11 debütiert, wird er zum neuen Superstar ausgerufen. Das ist die Demokratie, die uns Angela Merkel mitgebracht hat.

Aber, wie das so ist in der Überflussgesellschaft: Die sonst im Familienkreis liebevoll diskutierte Frage "Wohin mit Oma?" stellt sich verschärft bei dem Überangebot an Nichtskönnern und Dauernullen, denen ein kurzer Auftritt als Playmate oder Boxenluder den Wahn eingegeben hat, sie dürften jetzt immer mit dem Interesse des Teleobjektivs rechnen.

Wie bringt man denen schonend bei, dass es damit nichts mehr ist? Aus? Vorbei?

Ganz einfach, indem man ihnen vormacht, sie wären noch ganz, ganz wichtig. Nach einer längeren Sendepause ist deshalb am Freitagabend das "Dschungelcamp" frisch bezogen worden. Von draußen hat das den kleinen Reiz, dass bei den schwitzenden Teilnehmern irgendwann doch die Wirkung der Fältchencreme nachlässt und unterm Hemd das kleine rosa Schweinchen hervoroinkt, das wir im Grunde unseres Herzens alle sind.

Kotzfrucht-Saft für Carrière

Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! - so der korrekte Titel der RTL-Show - ist traditionell das Festival der knotigen Knie, der zickenden Schwulen jedweder sexuellen Orientierung und der beleidigten Primadonnen, die nie bessere Tage gesehen haben.

Daher ist es ein Jammer um Mathieu Carrière, der nicht nur den besten Namen im Gewerbe hat, sondern einst im Traum von mindestens drei Viertel aller deutschen Frauen ins Bett gezerrt wurde.

Jetzt muss der 60-Jährige wie an einem Korporiertenabend einen Becher mit dem Saft der Kotzfrucht hinunterstürzen, um dann tapfer auf ein paar Mehlwürmern herumzukauen und es schließlich giftiggrün aus dem linken Mundwinkel laufen zu lassen. Am ersten Abend bahnte sich dieser Connaisseur ekelhaftester Dschungel-Fauna immerhin den Weg an den großen Busen eines dafür recht unbedarften Mädchens namens Indira.

Tröstlich also die Erkenntnis, dass ein Künstler selbst dann, wenn die Laufbahn ganz heftig nach unten tendiert, noch nicht um Gotteslohn arbeiten muss.