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TV-Kritik: "5 gegen Jauch":Der heilige Geist verzockt sich

Fünf sakrale Quizkandidaten hoffen vergeblich auf himmlischem Beistand, während Kontrahent Günther Jauch was auf die Ohren kriegt. Showmaster Oliver Pocher amüsiert sich dabei am meisten über sich selbst.

Vier Ordensschwestern in passender Tracht und ein Pfarrer wollten es wissen - könnten sie gemeinsam den beschlagenen Quizmaster Günther Jauch in seiner eigenen Disziplin übertrumpfen und nach zwölf Fragen mehr Geld erspielen als er? Bei "5 gegen Jauch" zockt das Team gegen den Moderator von "Wer wird Millionär".

RTL 5 gegen Günther Jauch Oliver Pocher

Die zwei Protagonisten der RTL-Quizsendung "5 gegen Jauch": Oliver Pocher (rechts) und Günther Jauch.

(Foto: RTL/Stefan Gregorowius)

Auch nach der einjährigen Pause der Show übernimmt Oliver Pocher dabei den Part des Fragestellers. Es geht bei "5 gegen Jauch" nicht in erster Linie um Sieg oder Niederlage. Das Erspielte - 300.000 Euro sind maximal möglich - soll wohltätigen Zwecken zukommen. Eine falsche Antwort bedeutet kein Aus, sondern nur weniger Geld. Wer am Ende der Show reicher ist, gewinnt.

Jauch tritt auf, Applaus ertönt. Das werde er künftig öfter hören, wenn er ab 2012 Gastgeber bei "Wetten, dass..?" sei, mutmaßt Pocher. Jauch, davon offenbar sichtlich geschmeichelt, lässt daraufhin nur wenig Raum für Spekulationen: "Ich weiß es ja schon", sagte er bescheiden und lächelt nur, als Pocher ihn fragt, ob es Anfragen vom ZDF gegeben habe.

"Der liebe Gott ist an unserer Seite"

Seine Gegenspieler, die Ordensschwestern, arbeiten im "Kinderdorf Bethanien" in Waldniel nahe Mönchengladbach. Außer ihnen sitzen fünf Köbesse, so nennen sich Kellner in Köln, in den Startlöchern, um nach der ersten Gruppe gegen Jauch ins Rennen zu gehen. Doch die Nonnen nehmen die ganze Sendezeit in Anspruch, sodass das Kräftemessen der Herren Ober mit Jauch erst in der nächsten Folge der Sendung am 25. März zu sehen sein wird.

Das Team aus Waldniel wird in einem kurzen Clip vorgestellt - mal bei der Hausarbeit, mal zu eingespielten Rock-Klängen auf dem Spielplatz herumtobend. Siegessicher sagte die 75-jährige Victima am Ende dieser Mini-Doku-Soap: "Der liebe Gott ist an unserer Seite!" Außerdem kam noch der mit ihnen befreundete Pfarrer Eddi als Verstärkung mit.

Wegen Victimas holländischen Akzents fühlt sich Pocher zu einem Witz über den niederländischen Trainer von Bayern München, Louis van Gaal, bemüßigt - sie sei wohl die Einzige, die van Gaal verstehe. Ein flacher Spaß, der an diesem Abend nicht der einzige bleibt. Ein ums andere Mal punktet Pocher in seinem Comedy-Element, wenn er sich nicht gerade über seine eigenen Pointen schlapplacht.

Delfin statt Robbe

Die Rolle des toughen Quizmasters, die er zwischen zahlreichen Zoten zu spielen versucht, misslingt dem Moderator allerdings gründlich. Mit einem Pokerface Kandidaten den Telefon- oder den Publikumsjoker zu entlocken, scheint auch in der neuen Folge von "5 gegen Jauch" nicht sein Metier zu sein.

Die Ordensschwestern und der Pfarrer zocken eifrig mit. Als sie den Komponisten der deutschen Titelmelodie der Fernsehserie "Flipper" benennen sollen, loggt das Team versehentlich "Karl Robbe" ein - war es Eingebung? Jedenfalls bleibt die fromme Quiz-Crew bei der Antwort.

Pocher fragt seine Schwestern mit Bruder, was wohl vom lieben Gott zu halten wäre, sollte sich die Antwort als falsch herausstellen. Tatsächlich stammt der Song von Hans Delfin, woraufhin die fünf entscheiden: "Der heilige Geist hatte seine Chance." Sie werden vorsichtiger.

Auch Jauch scheitert an dieser Aufgabe und hat noch Schlimmeres zu überstehen. Alle Quizteilnehmer bekommen die Fragen zwar gleichzeitig gestellt. Doch während die Schwestern und der Pfarrer zuerst antworten dürfen, wird der Einzelkämpfer von dem Geschehen abgeschirmt.

Folter durch Küblböck

Er muss dem dreieckigen Studiotisch den Rücken zuwenden und bekommt Scheuklappen und Kopfhörer auf, über die er beispielsweise mit Klängen des ehemaligen "DSDS"-Teilnehmers Daniel Küblböck und kirre machender Jodelmusik beschallt wird.

Das macht es schwieriger für ihn, etwa im Kopf die Felder eines Mensch-ärger-dich-nicht-Spielbrettes abzuzählen oder sich zu überlegen, welches von vier Bundesländern an die meisten ausländischen Nachbarländer angrenzt. "Leute, in Guantanamo hat man Menschen damit gefoltert", kommentiert er die Musik-Tortur und äußert sein Missfallen in Grimassen.

Eine seiner Auszeiten dauert ganze zehn Minuten, als das Gegnerteam einen Telefonjoker zieht und bei den ersten beiden Anrufversuchen niemand zu erreichen ist. Jauch, der sonst alles mit gewohnt trockenem Humor nimmt, kauert auf dem Boden, bis er wieder an der Reihe ist und muss währenddessen den Dance-Song "Cotton Eye Joe" über sich ergehen lassen. Der Zuschauer bekommt beinahe Mitleid mit ihm.

Lediglich einen kleinen Schlagabtausch liefern sich die beiden prominenten Hauptfiguren. Nach einer Rotkäppchen-Frage fragt Jauch Pocher mit ironischem Unterton: "Aber Oliver, warum hast du denn so eine große Schnauze?" - "Damit ich bei RTL moderieren kann ... naja."

Jauch triumphiert in der Schlussrunde

Die Frage klingt ernst gemeint, die Antwort dagegen eher kleinlaut. Doch Pocher deutet damit geradezu an, was kurz vor dem Sendebeginn von "5 gegen Jauch" bekannt wurde: Sein eigenes Programm wird künftig abgesetzt: Sat.1 teilte mit, dass die "Oliver Pocher Show" am 18. März zum letzten Mal aufgezeichnet werden soll. Die Quoten des Moderators schwächelten bereits seit längerem.

Weil Jauch sein gesamtes Spielvermögen von 113.000 Euro bei der letzten und wichtigsten Frage auf die richtige Antwort setzt, kann der Showmaster seinen Gewinn verdoppeln und seine Wettstreiter schlagen. Er teilt fifty-fifty mit den Schwestern und dem Pfarrer, die vor dem Finale nur mit 3000 Euro zu ihm im Rückstand lagen, doch dann alles verspielen. Jauch will seinen Anteil dem Kinderprojekt "Arche" spenden.

Der Herr gibt, der Herr nimmt, und Jauch gibt wieder - womöglich einer der vielen Sprüche, die Oliver Pocher bei der Show noch auf der Zunge lagen und die er glücklicherweise für sich behielt.

In Bildern: 60 Jahre ARD

Die große Show