Tod von ARD-Degeto-Chef Jörn Klamroth Geistreiche Unterhaltung

Geistreiche Unterhaltung und feuilletonistische Qualität - Degeto-Chef Jörn Klamroth konnte nur Fernsehen. Aber das sehr gut.

Von Christopher Keil

Wenn die Degeto einmal im Jahr ihre Programme der Öffentlichkeit vorstellte, trat auch Jörn Klamroth ans Mikrofon, seit 2002 der eine von zwei Geschäftsführern, und sprach über die fiktionale Schmierseifenfabrik der ARD.

"Ich habe nichts anderes gelernt als Fernsehen": Degeto-Chef Jörn Klamroth starb am vergangenen Freitag.

(Foto: dpa)

Er distanzierte sich nie in Worten von den Filmen, die an Frei- und Feiertagen eine oft absurde, realitätsferne Welt ausrufen. Es waren der Ton, in dem Klamroth die nächste plumpe Herzschmerzvariante als große Fernsehidee verkaufte, und die Heiterkeit, mit der er sich vors Fachpublikum stellte, die ihn als Zyniker verrieten.

Klamroth wuchs in Hamburg auf und studierte Publizistik. 1980 kam er zum WDR. Er wurde Stellvertreter des Unterhaltungschefs. Dass er 1992 Fernsehdirektor im Kölner Funkhaus wurde, ist seinem sicheren Geschmack für gute Stoffe und seiner Bildung zuzuschreiben. "Ich habe nichts anderes gelernt als Fernsehen", soll er gesagt haben.

Fernsehen konnte er. Klamroth stand in der Verantwortung für Helmut Dietls Gesellschaftssatire Kir Royal, für Shows mit Rudi Carrell, auch den Boulevard Bio. Später, da schon in leitender Degeto-Position, unterstützte er mit Co-Finanzierungen Projekte wie Untergang, Baader-Meinhof-Komplex, Buddenbrooks und Im Angesicht des Verbrechens, die zehnteilige Mafia-Serie Dominik Grafs.

Er habe es verstanden, geistreich zu unterhalten und eine hohe feuilletonistische Qualität beizusteuern, sagte WDR-Intendantin Monika Piel. Ende April wäre Jörn Klamroth in den Ruhestand getreten. Unerwartet starb er, 66 Jahre alt, am vergangenen Freitag.