"Team Wallraff" auf RTL:"Das kann nur der Anfang sein"

Lesezeit: 3 min

Wallraff spielt derzeit wie gewohnt auf vielen Feldern. Er hilft Gewerkschaften und muss sich gerade mit einem von der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach wegen uneidlicher Falschaussage in einem Verfahren von 2012 gegen ihn beantragten Strafbefehl herumschlagen. "Ich gehe davon aus, dass das durchschaut wird und in sich zusammenfällt", sagt er.

Dass er für das Team trotzdem von hohem Wert ist, bekräftigt Pia Osterhaus, die als Reporterin im Heim gearbeitet hat und dort mehrfach an ihre Grenzen kam. "Ich habe so oft menschenunwürdige Situationen erlebt, in denen ich stopp rufen wollte. Günter Wallraff hat mich darin bestärkt, meine Deckung so lange wie möglich aufrechtzuerhalten", berichtet sie. Sie freut sich über die enorme Resonanz mit guten Quoten und Tausenden E-Mails, sie weiß aber auch, dass der Effekt einer guten Reportage nur begrenzt haltbar ist. "Man wird mit einer Reportage nicht ein ganzes System ändern. Das kann nur der Anfang sein."

Fragt man, wie es kommen kann, dass RTL mit den Undercover-Reportagen gerade die große Welle macht, kommt schnell die Rede auf die Altersstruktur. "Das liegt an dem jungen Publikum, das wir erreichen", sagt Caro Lobig. Tatsächlich war die Heim-Reportage am Montag Marktführer bei den Zuschauern unter 50 Jahren. "Unsere Themen kommen aus der Mitte der Gesellschaft", sagt Jan Rasmus, der zuständige Redaktionsleiter des Teams, und präsentiert stolz den stetig ansteigenden Quotenverlauf. "Bei uns geht niemand ins Bett", sagt er, und man spürt, dass RTL dieses Projekt durchaus als etwas ansieht, das auf die Marke einzahlt. "Die Dinge, die wir tun, tun wir sehr konsequent. Wir lassen uns das was kosten", sagt er und berichtet, dass momentan noch einige Reporter aus dem Hause undercover unterwegs sind.

Auch ein bisschen Spaß

Viel Geheimhaltung ist dafür notwendig. Wie das mit den Kameras funktioniert, will niemand aus dem Team verraten. Und das Thema vom nächsten Montag wird auch noch nicht ausgeplaudert. "Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, das Thema vorher nicht zu verraten", sagt Rasmus.

Sie wirken ernsthaft, diese jungen Reporter. Sie reden von Leidenschaft, und sie nehmen das, was sie tun, sehr ernst. So ernst, dass man sie glatt für ein bisschen verbissen halten könnte. "Ich hoffe, es kam rüber, dass wir auch viel Spaß hatten", sagt der Burger-King-Reporter Alexander Römer am Schluss des Gesprächs.

Nun ja, nach purem Spaß klingt es nicht direkt, wenn diese RTL-Nachwuchskräfte berichten. Aber vielleicht ist gerade das auch eine Art Markenzeichen für eine neue Richtung des Privatsenders. Denn wie man Spaß hat, wissen die beim ZDF inzwischen offenbar ohnehin besser.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB