Tatort Luzern:Komplett vernagelt

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Tatort; "Tatort"

Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) ermitteln diesmal im Mord an einer dreifachen Mutter.

(Foto: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler)

Das Opfer ist im Jenseits nicht zu erreichen, also müssen die beiden Kommissare Flückiger und Ritschard selbst herausfinden, wie und warum die Mutter dreier Kinder von einer Brücke gestürzt ist. Ein zäher Tatort mit einer kreuzbraven Idee.

Von Holger Gertz

Es gibt eine Szene, in der reden die Ermittler mit einem Mann, der seinerseits imstande ist, mit Toten zu sprechen. "Okay, ich habe Kontakt", sagt dieser Mann, als seine Antennen entsprechend jenseitig ausgerichtet sind, kurz darauf muss er allerdings eingestehen: "Kontakt ist abgebrochen, tut mir leid." Das ist bedauerlich, denn man hätte den Tatort aus Luzern sehr verkürzen können, wenn einfach das Opfer gesagt hätte, was eigentlich los war und warum es jetzt tot ist.

Weil das Opfer schweigt, müssen Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) selbst herausfinden, wie und warum die Mutter dreier Kinder von einer Brücke gestürzt ist. Sie wollen mal ein Bierli miteinander trinken, die beiden Kommissare, aber es kommt erstmal nicht dazu, weil alles so zäh vorangeht in dieser Episode von Mike Schaerer. Zu viel Esoterik, ein wenig Sozialdrama, viel Geschlechter-Rivalität. Ein bisschen Skypen nach Indien, aber immer auch Fünfzigerjahre-Muff: der Vorgesetzte Mattmann - ein Mann mit dem Machtgehabe aus sehr alter Zeit - tritt kurz aus den Kulissen hervor und faltet seine Kommissare zusammen. Ironisch gebrochen wäre das vielleicht beinahe witzig. Aber in Luzern ist ja immer alles so ernst gemeint.

Irgendwann trinken die Kommissare dann mehrere Bierli, dabei erzählt Flückiger, dass er Angst vorm Alleinsein hat. Deswegen - innerschweizer Logik - lebt er inzwischen allein auf einem Boot. Und Liz Ritschard deutet an, dass sie Frauen liebt. Das Thema war schon in der vorletzten Episode vorsichtig angestoßen worden. Nun ist es nicht gerade der revolutionärste Gedanke, einer nicht nur farblosen, sondern komplett transparenten Kommissarin dadurch ein Profil zu geben, dass man ihr eine Freundin ins Drehbuch reinschreibt. Aber dass die Schweizer ihre kreuzbrave Idee so verklemmt und verzagt präsentieren, als wäre lesbische Liebe ein Tabu, von dem nur im Flüsterton hinterm Vorhang gesprochen werden kann: das ist leider das einzig Bemerkenswerte an diesem komplett vernagelten Stück.

ARD, Ostermontag, 20.15 Uhr.

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