Talkmaster Morgan und der Murdoch-Skandal Letzter einer vulgären Art

Vom Saulus zum Paulus: Piers Morgan gibt sich heute bei CNN als charmanter und einfühlsamer Talker. Früher gehörte er allerdings zu den besonders brutalen Chefredakteuren, die Rupert Murdoch in London groß gemacht hatte. Diese Vergangenheit könnte ihn jetzt einholen.

Von Nicolas Richter

Viele deutsche Zuschauer haben Piers Morgan schon einmal gesehen: In jenen berühmten Minuten, in denen sich der linkische britische Telefonverkäufer Paul Potts in einen Tenor verwandelte.

Vom britischen Boulevardjournalisten zum Nachfolger von Larry King auf CNN. Er blieb einer, der vor allem sich selbst liebte: Piers Morgan.

(Foto: Getty Images)

Potts trat als Wettbewerber Nummer 31 829 in der Fernsehshow Britain's Got Talent auf und kündigte an, Oper zu singen. Die Juroren, unter ihnen Piers Morgan, blickten ungläubig bis süffisant. Dann trug Potts "Nessun Dorma" aus Puccinis Turandot vor. Das Publikum tobte, die Juroren blickten gerührt, auch verschämt ob ihrer anfänglichen Vorurteile, und Morgan sagte, dass Paul, der Sänger, wahrscheinlich den Wettbewerb gewinnen werde, was er tat. So gibt der Clip eine Welt nach dem Bilde von Piers Morgan wieder: Er mag Leute nicht unbedingt, aber er macht sie. Er entscheidet, wer ist und wer nicht.

Morgans Welt allerdings hat sich verändert. Inzwischen muss der 46-jährige Brite wieder die Urteile anderer fürchten, und andere könnten entscheiden, was aus ihm wird. Morgan, der inzwischen bei CNN Stars und Politiker interviewt, wird eingeholt von seiner Vergangenheit als Chefredakteur britischer Revolverblätter und dem Skandal um abgehörte Telefonmailboxen: Seit die Affäre im Juli die News of the World zerlegt hat, muss Morgan bei CNN öfter in eigener Sache sprechen.

Murdoch, erklärte er, habe von seinen Chefredakteuren erwartet, "knallhart, rücksichtslos und aggressiv" zu sein, aber im Rahmen der Gesetze. Er selbst habe weder als Chef der News of the World, noch als Chef des Daily Mirror (der nicht Murdoch gehört) Lauschangriffe angeordnet oder davon gewusst.

Doch Polizei und Parlament in Großbritannien dürften sich jetzt insbesondere den Umtrieben des Daily Mirror widmen. Vor wenigen Tagen erklärte Heather Mills, die ehemalige Frau Paul McCartneys, ein Mirror-Journalist habe einst zugegeben, ihr Telefon abgehört zu haben. Damals, 2001, war sie nach einem Streit mit McCartney nach Indien gereist, und er hatte eine Versöhnungsnachricht auf ihrer Mailbox hinterlassen. Bald soll ein Reporter der Mirror-Gruppe angerufen und sie mit den Worten McCartneys konfrontiert haben.

Er schrieb über die Mailboxnachrichten von Heather Mills

Mills sagte jetzt, der Reporter habe ihr damals gestanden, die Mailbox abgehört zu haben. Fünf Jahre später schrieb Morgan in einer Kolumne, er habe eine Aufnahme McCartneys aus jener Zeit gehört: "Es brach einem das Herz. Paul klang einsam, elend und verzweifelt."

Morgan, der von 1995 bis 2004, also während des mutmaßlichen Lauschangriffs auf Mills, Chefredakteur des Mirror war, hat jedes strafbare Verhalten bestritten. Aber in seiner Heimat ist die Versuchung groß, ihm nicht zu glauben. Morgan hat zu viele Menschen verletzt in seiner Laufbahn, die er meistens auf Kosten anderer gemacht hat.

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