"Superpets" bei Sat 1:Diese Tierchen finden Sie in jeder Castingshow

Superpets

Hauptsache, die PR stimmt. Sat 1 bewirbt sein neues Format Superpets mit folgendem Satz: "Eine Show mit Wau-Effekt."

(Foto: obs)

Sat 1 sucht jetzt die "Superpets". Dabei gibt es in anderen Sendungen doch schon Paradiesvögel und Zicken.

Aus der SZ-Redaktion

Es ist inzwischen fast ein halbes Jahrzehnt her, dass ein Medienwissenschaftler aus Tübingen die Krise der Castingshow diagnostizierte. "Deutschland ist durchgecastet", lautete der viel zitierte Satz des Professors, der aus den Quoteneinbußen von Superstars, Topmodels und Co. die These ableitete, dass es auf dem Markt der kamerawilligen Deutschen nicht mehr ausreichend neue Gesichter zu finden gebe.

Man kann an dieser Stelle festhalten, dass Bernhard Pörksen Anfang 2012 offenbar ein bisschen schwärzer malte als nötig, Germany's Next Topmodel hat gerade die elfte Staffel beendet, Deutschland sucht den Superstar die 13. Weitere werden folgen. Es ist vor allem ein anderer Satz des Professors, der zu denken gibt, wenn der Sender Sat 1 nun mitteilt, gut 20 Jahre nach Rudi Carrells äußerst netter Tiershow Anfang August das Castingformat Superpets zu starten. Gefunden werden soll das "talentierteste Haustier der Welt", womit der Wettbewerbsgedanke das deutsche Tierfernsehen erreicht und es aus seiner Panda-Gorilla-&-Co.-Romantik reißt.

Aber sei's drum, Tiere und Kinder (The Voice Kids, Superkids) gehen bekanntlich immer, das weiß man beim werbefinanzierten Fernsehen so gut wie beim gebührenfinanzierten, und dem Sat-1-Publikum reicht es womöglich nicht, Tierpflegern stundenlang beim Fellkraulen und Käfigauswischen zuzusehen.

Aber zurück zu Professor Pörksen: Der analysierte vollkommen zutreffend, dass in einer Castingshow immer die gleichen Charaktere zur Auswahl stünden. Holzschnittartige Archetypen der Selbstdarstellung, simpel wie in einer Fabel. Eine kleine Typologie der Kandidaten.

Der Paradiesvogel

Daniel Küblböck bei "Deutschland sucht den Superstar"

Avancierte zum Publikumsliebling der ersten DSDS-Staffel, machte später Schlagzeilen, weil er einen Unfall mit einem Gurkenlaster hatte: Daniel Küblböck.

(Foto: DPA/DPAWEB)

Ohne ihn wäre das Genre Castingshow nur schwer erträglich. Jeder seiner Auftritte bietet eine Verschnaufpause vom Diktat und der Gleichförmigkeit der Perfektion. Der Paradiesvogel ist selten talentiert genug, um die Show zu gewinnen, aber er hält sich zumeist lange, weil sich das Publikum unwillkürlich mit ihm solidarisiert. Seine Defizite kompensiert er durch exaltiertes Auftreten. Der wohl bekannteste Paradiesvogel der deutschen Castingshowgeschichte ist Daniel Küblböck, der in der ersten Staffel von Deutschland sucht den Superstar nur Dritter wurde, an dem die Boulevardmedien aber sehr viel größeren Gefallen fanden als am Erstplatzierten Alexander Klaws. Sein Ruhm verblasste fast so schnell, wie er gekommen war. Es folgte die übliche mediale Restprominenzverwertung im RTL-Dschungelcamp und bei Big Brother. Küblböck macht immer noch Musik, hat aber - wie bei Paradiesvögeln offenbar unausweichlich - einen Imagewandel hinter sich. Er will nicht mehr schrill sein und ahnt offenbar nicht, dass er dann nur noch ein Vogel ist.

(David Denk)

Die Zicke

Glänzt vor allem durch Mobbing der Lämmchen und lautes Gemecker, wenn ihre Bedürfnisse nicht geachtet oder vor der Kamera nicht genug besprochen werden. Dass man mit dieser Masche weder zur besten Sängerin noch zur schönsten Frau gekürt wird, dürfte jede Zicke mittlerweile verstanden haben - ausschließlich sympathische Kandidatinnen können Model oder Superstar werden. Nach dem Finale meckert die Zicke üblicherweise, sie sei natürlich vollkommen falsch dargestellt worden, mit Absicht seien nur gemeine Szenen gezeigt worden. All das ist aber nur Hufescharren vor dem eigentlichen Wettbewerb: dem Casting-Kandidaten-Recycling von Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!. Kaum eine Dschungel-Staffel, in der nicht zwei bis drei Zicken aus Sing-, Tanz-, oder Guck-Wettbewerben dabei sind.

(Karoline Meta Beisel)

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