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Spuren des Bösen: "Zauberberg":Unglücklicher Held

Spuren des Bösen - Zauberberg; Heino Ferch

Richard Brock (Heino Ferch) in der Fernsehreihe Spuren des Bösen.

(Foto: Petro Domenigg / ZDF)

Sonntagabends nennt man das, was Heino Ferch als Wiener Kriminalpsychologe in "Spuren des Bösen" macht, ermitteln. Eine "herkömmliche Krimireihe" will diese Fernsehreihe nicht sein und doch sieht der dritte Teil ganz danach aus.

Das Online-Lexikon Wikipedia hat die Kunst des Schauspielers Heino Ferch in sehr hübscher Prosa zusammengefasst. Unter der Rubrik "Themen und Stil" steht dort über Ferch, der im deutschen Fernsehen Das Wunder von Legende erleben durfte, Die Luftbrücke nach Berlin einrichtete und einen Tunnel unter der Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland grub, der wunderbare Satz: "Häufig zu finden ist in seinen Filmen der Topos des Rettungsversuches."

Heino Ferch ist einer der Lieblingshelden des deutschen Fernsehpublikums, und Helden hat er in seinem Leben schon viele gespielt, bis Richard Brock in sein Leben kam. Brock ist ein trauriger Kriminalpsychologe aus Wien, Verhörspezialist und eher kein Mann zum Gernhaben.

Heino Ferch hat viel Lob bekommen für diese Rolle, dreimal hat er sie inzwischen gespielt, und trifft man ihn ein paar Tage vor der Ausstrahlung des neuen Films in München, dann sagt er, auch schon fast lexikontauglich: "Die Rolle des Brock war und ist für mich eine großartige Herausforderung, weil es etwas ganz anderes ist als das, was ich sonst häufig gespielt habe."

Griesgrämig

Heino Ferch sitzt auf einem Sofa im Bayerischen Hof, er trägt ein graues T-Shirt und Armschmuck zur Uhr. Die Cola ist bereits ausgetrunken, er spricht heute schon länger über Richard Brock und die kleine Fernsehfilmreihe Spuren des Bösen , bei der Martin Ambrosch die Drehbücher schreibt, und Andreas Prochaska Regie führt - und die, so Ferch, auf keinen Fall eine "herkömmliche Krimireihe" sein soll. Die gebe es schließlich schon sonntagabends. Er finde das "ziemlich langweilig", sagt Heino Ferch.

Im dritten Brock-Film wird der griesgrämige, weil vom Leben wenig liebevoll behandelte Psychologe in den Ferienort Semmering gerufen. Einer seiner ehemaligen Patienten steht unter Tatverdacht, ein Kind entführt zu haben. Das, was dann kommt, lässt sich von einem herkömmlichen Krimi kaum unterscheiden. Richard Brock spricht mit den Verdächtigen, sieht Widersprüche, forscht nach und findet am Ende natürlich die Lösung. Sonntagabends nennt man das "ermitteln". Wenn man Heino Ferch das sagt, wird er fast ein bisschen grantig.

Waren die ersten beiden Teile von Spuren des Bösen noch psychologisch mit sehr feiner Nadel gestrickt, ist "Zauberberg" eher seelische Laubsägearbeit. Die Traumata und Phobien sind jedenfalls äußerst handfest. Und dann braucht es am Ende doch einen echten Ferch, um das Kind im Keller zu finden: einen Helden. Aber einen unglücklichen.

Spuren des Bösen - Zauberberg, ZDF, 20.15 Uhr.