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Springer und Pro Sieben Sat 1:Traum von einem europäischen Champion

  • Axel Springer und Pro Sieben Sat 1 sollen erneut einen Zusammenschluss prüfen.
  • Insidern zufolge soll es keine reine Übernahme sein, sondern die Fusion zweier gleichberechtigter Partner. Das hätte größere Chancen als eine Übernahme.

Von Caspar Busse

Knapp zehn Jahre ist es her, da haben die beiden großen deutschen Medienunternehmen schon einmal einen Anlauf gemacht. Das Berliner Zeitungshaus Axel Springer (Bild, Welt) wollte damals das Münchner Fernsehunternehmen Pro Sieben Sat 1 Media übernehmen - die Verhandlungen war schon weit gediehen, alles fest vereinbart, doch dann stoppte das Bundeskartellamt den Milliarden-Deal.

Nun machen die beiden einen weiteren Anlauf. Es gebe erneut Gespräche über einen Zusammenschluss, berichtet ein Insider. Doch die Verhandlungen stünden noch ziemlich am Anfang, wichtige Einzelheiten seien noch nicht geklärt. Auch das Kartellamt sei noch nicht eingeweiht, heißt es. "Wir sind noch sehr am Anfang." Und trotzdem: Beteiligte räumen dem Plan diesmal Chancen ein. Es soll keine reine Übernahme sein, sondern die berühmte Fusion zweier gleichberechtigter Partner. Großaktionärin des neuen Konzerns soll weiterhin Friede Springer sein. Dies allein bestätigte Springer in einem am Dienstag veröffentlichten Statement, zu allen anderen Punkten gab es keinen Kommentar; Pro Sieben Sat 1 äußerte sich nicht.

Es ist der Traum von einem europäischen Champion in der Medienindustrie, der beide antreibt. Ein Champion, der es dann vielleicht mit den Großen der Branche aus den USA aufnehmen könnte.

Axel Springer und Pro Sieben Sat 1 - das wäre in der Tat ein Schwergewicht, zumindest in der deutschen und europäische Medienbranche. Der addierte Umsatz liegt bei etwa sechs Milliarden Euro, der gemeinsame Börsenwert bei rund 15 Milliarden Euro. Beide Unternehmen haben in den vergangenen Jahren massiv in den Online-Bereich investiert, machen dort große Anteile ihres Umsatzes. Axel Springer ist unter anderem im Geschäft mit digitalen Kleinanzeigen aktiv, Pro Sieben Sat 1 betätigt sich etwa bei Online-Spielen und im Tourismus. Dazu kommen die jeweiligen ehemaligen Kerngeschäfte: Zeitungen wie Bild und Welt bei Springer, Sender wie Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und Spartenkanäle bei dem Fernsehunternehmen.

Wer würde das Super-Unternehmen führen?

Zumindest die Geschäfte der beiden würden gut zusammenpassen. Doch es gibt auch wichtige offene Fragen: Wer würde das neue Super-Unternehmen führen: Mathias Döpfner von Axel Springer oder Thomas Ebeling von Pro Sieben Sat 1? Beide gelten als durchaus machtbewusst. Und wo würde das Unternehmen seinen Sitz haben - in Berlin oder in Unterföhring bei München? Und was wird das Kartellamt diesmal sagen? Wird es einwilligen?

Immerhin hat sich Springer bereits für mögliche Umbauszenarien vorbereitet - eine große Fusion oder eine große Übernahme. Konzernchef Döpfner hat Regionalzeitungen wie die Berliner Morgenpost und das Hamburger Abendblatt verkauft, dazu auch Magazine wie unter anderem die Fernsehzeitschrift Hörzu. Derzeit läuft zudem die Umwandlung des Unternehmens in eine neue Rechtsform. Die Kommanditgesellschaft auf Aktien, kurz KGaA, würde es möglich machen, dass Friede Springer auch dann das Sagen behält, wenn sie nicht mehr die Mehrheit der Aktien kontrolliert. Die Aktien von Pro Sieben Sat 1 sind dagegen in Streubesitz: Die beiden Finanzinvestoren KKR und Permira sind im vergangenen Jahr ausgestiegen, das Unternehmen gilt sogar als Anwärter für den Deutschen Aktienindex.

Die Vorfreude ist zumindest groß: Die Aktien von Springer stiegen am Dienstagmorgen auf 8,5 Prozent, die von Pro Sieben Sat 1 legten auf 3,5 Prozent zu.

© SZ.de/cag
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