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ZDF-Komödie:Männer, die nach Tragik riechen

Der Sommer nach dem Abitur

Alexander (Bastian Pastewka, l.), Paul (Hans Löw, M.) und Ole (Fabian Busch, r.) freuen sich auf den Auftritt ihrer Lieblingsband beim Festival.

(Foto: Britta Krehl/ZDF)

"Der Sommer nach dem Abitur" mit Bastian Pastewka ist zunächst vorhersehbar - und wird dann ein wunderschönes Roadmovie.

Wenn drei Freunde ein rundes Vierteljahrhundert nach dem Abitur beschließen, es noch einmal richtig krachen zu lassen und all das nachzuholen, was damals nicht ging, dann kann man die dem Vorhaben innewohnende Tragik schon von Weitem riechen. Natürlich werden sie scheitern, natürlich werden ihre Träume zerplatzen, und natürlich wird bei jedem der drei der mühsam aufgetragene Fassadenputz abblättern.

Es ist diese Vorhersehbarkeit, die es anfangs ein bisschen schwer macht, diesen Film zu mögen. Kaum hat er angefangen, meint man schon zu wissen, dass alles, was die drei Freunde Alex, Ole und Paul sich vorgenommen haben, nicht gut ausgehen kann. Sie wollen zu einem Konzert ihrer Lieblingsband von früher, zu Madness, den britischen Offbeat-Spezialisten, die viele von denen, die sie einst mochten, nicht mehr losgelassen haben. Weil es im Sommer nach dem Abitur mit dem Madness-Konzertbesuch nicht hinhaute, soll es jetzt klappen bei einem Festival etwas weiter weg.

Marc Terjung hat sich dieses Roadmovie der Männer-Fahrten-Abenteuer-Klasse ausgedacht, und Eoin Moore hat es in Szene gesetzt. Man kann von Minute eins an spüren, dass die Macher da ein Herzensprojekt gestartet haben. Sie wollen erzählen, wie traurig das sein kann, wenn man zu schnell in die Jahre kommt, wenn die Illusionen von einst als Trümmerfeld vor einem liegen, wenn man sich als Mittvierziger viel zu schnell dem Punkt nähert, an dem man mehr Vergangenheit als Zukunft hat.

So entspinnt sich ein rührendes Märchen, eines, das erzählt von Freundschaft in harten Zeiten, von Enttäuschungen, von Hemmungen. Weil der Film seine Protagonisten mit so viel Liebe begleitet, tief in sie reinhört und ihnen einen wunderschönen Soundtrack auf die Leiber schneidert, ist das mit der Vorhersehbarkeit sehr bald kein Problem mehr. Dabei helfen die vielen liebevoll drapierten Details, die den Weg zum großen Scheitern und zum kleinen Gelingen pflastern - wie das Freak-Pärchen, das im Wohnmobil überlaut Heino hört und auf eine Beschwerde der Zeltnachbarn verständnislos reagiert. Das sei doch ironisch, sagen sie, und Heino dröhnt weiter.

Charly Hübner spielt einen ehemaligen Schulkameraden und Phil-Collins-Fan

Es helfen auch die mit großzügiger Geste verteilten Erkenntnisse, mit denen dieser Film gespickt ist. "Wir waren Freunde, das hatte mit mögen nicht sehr viel zu tun", sagt einmal Ole, der in Langeweile abgedriftete Ratgeber-Autor, zu Alex, dem zerrütteten Pharmavertreter, mit dem auch Paul, der kleptomanische Hallodri des Trios, nicht viel anfangen kann. "Alex, du hast mit 19 noch 'Wetten, dass ..?' geguckt - zusammen mit deinen Eltern."

Dazu kommt der handelsübliche Slapstick, für den natürlich vornehmlich Bastian Pastewka in der Rolle des Alex sorgt. Er wird dabei fabelhaft unterstützt von Fabian Busch als Ole und Hans Löw als Paul. Doch auch in den Nebenrollen ist diese hart an der Tragik vorbeischrammende Komödie prima besetzt. So spielt etwa Charly Hübner einen ehemaligen Schulkameraden des Trios, der nun schmieriger Filialleiter eines Supermarkts ist und sich die Verachtung der Madness-Fans einfängt, als er Phil Collins einspielt.

In einer Fernsehwelt, die aus viel zu viel Pilcher-Plörre und Krimi-Quark besteht, ist dieser kleine Film ein Quell der Erfrischung, eine wagemutige Ausnahme im öden Einerlei. Selten hat man Menschen so gerne beim Scheitern zugesehen, und selten genug hat man miterlebt, dass aus diesem Scheitern so viel menschliche Wärme wächst. Das ist von hemmungsloser Naivität, aber vielleicht gerade deswegen so großartig. Oder um es mit Madness zu sagen: One Step Beyond.

Der Sommer nach dem Abitur, 20.15 Uhr ZDF

© SZ/tyc/tmh

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