Amazon-Serie "Pastewka":Letzte Lacher

Bastian Pastewka

Nach 15 Jahren und 97 Folgen ist Schluss: Bastian Pastewka beendet mit Staffel zehn sein Comedy-Format.

(Foto: Thomas Banneyer/dpa)

Bastian Pastewkas Sitcom geht nach 15 Jahren und 89 Folgen in die finale Staffel. Warum beim Zuschauen ein wenig Nostalgie aufkommt.

Von Luise Checchin

Was so ein Jahr im Ausland doch mit einem Menschen anstellen kann. Als selbstverliebter, dauerunzufriedener Medienfuzzi war Bastian Pastewkas Alter Ego am Ende der neunten Staffel von Pastewka nach Afrika gereist, um seine Ex-Freundin Anne zurückzugewinnen. Nun sitzt er nach Monaten der Auszeit im Flugzeug zurück nach Deutschland und gibt in völlig unironischem Radio-Paradiso-Säuselton Sätze von sich wie: "Bist du einmal in Afrika gewesen, wirst du niemals mehr derselbe Mensch sein."

Wer die Serie kennt - und nach 89 Folgen, verteilt über 15 Jahre, dürften das einige sein - weiß, dass die Zen-Stimmung nicht lange anhalten wird. Die moralische Unverbesserlichkeit des Helden war immer der Kern von Pastewka. Als die Sendung, die nun mit der zehnten Staffel endet, 2005 auf Sat 1 anlief, machte sie das deutsche Publikum mit einem neuen Comedy-Subgenre bekannt: eine im pseudo-dokumentarischen Stil gefilmte Serie, in der ein Comedian eine fiktionalisierte Version seiner selbst spielt und dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste schlittert.

Während der Genre-Pionier Larry David, von dessen Serie Curb Your Enthusiasm Pastewka sich inspirieren ließ, immer wieder die Grenzen des politisch Unkorrekten einriss oder in Deutschland Christian Ulmen mit Jerks ab 2017 neue Gipfel des Fremdscham-Fernsehens erklomm, hatte Pastewka stets etwas erstaunlich Normales an sich. Deutsch sollte sich die Sitcom laut Pastewka anfühlen. Und wenn man sich anschaut, wie das Serienpersonal, diese mittelmäßig begabten Kreativarbeiter, in seinen Kölner Altbauten zwischen familiärer Spießigkeit und provinziellem Medienzirkus herumtaumelt, muss man sagen: Läuft. In Folge eins reichten ein Fahrradunfall beim Brötchenholen, eine pubertäre Nichte und Ingolf Lück zum Witzigsein.

Die Kunst, aus Alltagsabsurditäten Gags zu zimmern, kam der Serie über die Jahre etwas abhanden, dafür konzentrierte sie sich - besonders seit sie 2018 bei Amazon fortgesetzt wurde - mehr auf die lebensverändernden Wendungen ihrer Protagonisten. Babys, Trennungen oder, in Staffel zehn, Verschiebungen der sexuellen Orientierung. Doch auch die finale Pastewka-Staffel ist da am lustigsten, wo sie sich aufs Kleine besinnt, etwa beim episodenübergreifenden Versuch, Pastewkas überschuldeten Wagen aus einem Parkhaus zu schmuggeln.

Ein bisschen Nostalgie kommt auf, wenn man dem Serien-Pastewka ein letztes Mal beim Scheitern zusieht. Ein gewisser Ermüdungseffekt allerdings auch. Die Dynamik zwischen Männern und Frauen im Comedian-fiktionalisiert-sein-Leben-Format passt einfach allzu oft ins Schema: Mann nervt, Frau lässt sich nerven. Im Fall von Pastewka gab es zwar auch immer ein paar Ausreißerfiguren (etwa die wunderbar gemeine Anke Engelke), aber insgesamt mussten auch hier die Frauen vernünftig sein, während die Männer sich danebenbenehmen durften. Vielleicht wäre das Pastewka-Finale also für die Amazon-Verantwortlichen eine gute Gelegenheit, um (nach einem Moment der Wehmut, versteht sich) zum Telefon zu greifen und Hazel Brugger oder Carolin Kebekus anzurufen.

Pastewka, auf Amazon* und Apple iTunes*

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© SZ vom 07.02.2020/luch
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