Sitcom "Silicon Valley":Guppy im Haifischbecken

Silicon Valley

Bloß keine falschen Entscheidungen treffen: Richard Hendricks (Thomas Middleditch, rechts) und seine Kollegen.

(Foto: HBO)

Wenn's am schönsten ist: Die Kultserie über einen von seinem eigenen Erfolg überforderten Programmierer geht in die sechste und finale Staffel. Warum einem beim Zuschauen das Lachen vergeht - und man die Sitcom dennoch gesehen haben sollte.

Von Jürgen Schmieder

Was würde man selbst tun? Das ist, bei allem Sarkasmus über das Techniktal an der Pazifikküste, bei all den herrlich skurrilen Charakteren, bei all den hundsgemeinen Witzen, die immer wieder gestellte Frage in der Sitcom Silicon Valley. Der Protagonist Richard Hendricks (gespielt von Thomas Middleditch) ist ein brillanter Programmierer, sein Algorithmus könnte die Welt verändern - er ist jedoch sozial inkompetent und als Geschäftsmann ein Guppy im Haifischbecken.

Ständig muss er sich entscheiden, und zu Beginn der sechsten und letzten Staffel lauten die Fragen: Würdest du das Illegale zulassen, um letztlich die Welt zu verbessern? Darf ein Feind ein Verbündeter werden? Und: Würdest du die Firma verkaufen, wenn jemand eine Milliarde Dollar dafür bietet?

Hendricks kotzt meist in einen Kübel, wenn er eine Entscheidung treffen muss, und auch dem Zuschauer dreht sich beim Lachen der Magen um, weil er erkennt, wie nahe unermesslicher Reichtum und grandioses Scheitern in dieser Branche beieinanderliegen. Moderne Sitcoms sind längst keine Heile-Welt-Erzählungen mehr, sie behandeln oft auch philosophische Fragen: In der Klinikserie Scrubs geht es um die Angst vor Einsamkeit, in How I Met Your Mother um die Angst, was zu verpassen, in Black-ish um soziale Gerechtigkeit.

Silicon-Valley-Erfinder Mike Judge, berühmt geworden mit dem legendären Anarcho-Duo Beavis & Butt-Head, hält der Tech-Branche bitterböse den Spiegel vor - er hat in den Achtzigerjahren selbst im Silicon Valley gearbeitet und nach drei Monaten frustriert gekündigt. Der Witz seiner Serie entsteht dadurch, dass sie dieses Universum im Norden Kaliforniens ernst nimmt und recht realistisch zeigt. "Die Leute, die heutzutage die größte Chance haben, erfolgreich zu sein, sind jene, die am wenigsten mit Erfolg umgehen können", sagte Judge der Süddeutschen Zeitung beim Serienstart vor fünf Jahren.

Mike Judge hat der Welt schon in der ersten Staffel den kompliziertesten und deshalb lustigsten Penis-Witz der Fernsehgeschichte geschenkt und Figuren wie den Möchtegern-Milliardär Erlich Bachman, den herzensguten Kaufmann Jared Dunn und den misanthropischen Satanisten Bertram Gilfoyle, die nicht nur im Silicon Valley längst zum popkulturellen Kanon gehören. Relevant wird die Serie aber eben vor allem durch jene Fragen, bei denen einem das Lachen im Hals stecken bleibt, weil da plötzlich die Frage ist: Wie weit würde man selbst gehen?

Freunde verraten, um die Firma zu retten? Ein bisschen flunkern, um sich einen gerechtfertigten Vorteil zu verschaffen? Den Star des Unternehmens rauswerfen, weil er ein Arschloch ist und das große Ziel in Gefahr bringen?

Es bleibt zu befürchten, dass Judge keine dieser Fragen am Ende seiner großartigen Serie beantworten wird. Er will sie einfach nur mal gestellt haben. Er gehört eben zu jener Sorte Mensch, denen es gefällt, die Leute sowohl lachen als auch leiden zu lassen.

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