Serien und Journalismus Serien-Sucht als Geschäft

Seit die Serie Game of Thrones Einzug gehalten hat auf den Bildschirmen in aller Welt, ist der Siegeszug der Serienproduktion kaum mehr zu stoppen - sehr zum Erfolg von Plattformen wie "Serienjunkies".

(Foto: HBO)

Das Online-Portal "Serienjunkies" entstand, als TV-Serien noch die hässlichen Stiefkinder der Filmbranche waren. Doch was genau steckt eigentlich dahinter?

Von Charlotte Haunhorst

Dem Klischee zufolge müssten die "Serienjunkies" natürlich in einem Keller arbeiten. Dort säßen sie mit bleicher Haut in der Dunkelheit, die viereckigen Augen stets auf einen hellen Bildschirm gerichtet, eine Hand in der Chipstüte. Tatsächlich ist das Büro von Serienjunkies , von Deutschlands bekanntestem Serienbewertungsportal, sehr hell und seine Bewohner sehen recht gesund aus. Es liegt in einem Hinterhof in Berlin-Friedrichshain und könnte auch eine Werbeagentur sein - weiße Wände, große Bildschirme, an den Wänden Fotos mit Prominenten und motivierende Sinnsprüche. "Die Sprüche sind aber von den Vormietern", sagt Serienjunkies-Geschäftsführerin Hanna Huge, fast ein bisschen entschuldigend.

Die Website mit dem Namen Serienjunkies klingt, ja durchaus gewollt, nach einem Onlineportal für Vollnerds, ist aber tatsächlich inzwischen eine in Deutschland sehr erfolgreiche Internetseite. Serienjunkies existiert seit 2007, seit einer Zeit also, als "Serien noch die hässlichen Stiefkinder von Filmen" waren, sagt Huge. Man gründete damals eines der ersten Web-Portale, das seinen Lesern sowohl eine redaktionell verfasste inhaltliche Übersicht über den bisherigen Verlauf einer Serie - sogenannte "Recaps" - geben und sie gleichzeitig auch bewerten will. Wichtige Filmkritiker und Zeitungen setzten sich damals kaum mit TV-Serien auseinander, erst recht nicht online. Dann kam der Serienboom.

Schwarze Zahlen bereits nach einem Jahr

Hanna Huge hat, Vorsicht nächstes Klischee, keine viereckigen Augen, kann aber nach eigener Aussage "mittlerweile mehr als elf Serienfolgen hintereinander wegbingen", also am Stück schauen. Die 38-jährige Hamburgerin hat BWL studiert, bis 2007 waren Serien für sie nur ein Hobby. Dann ging sie mit einem Bekannten, dem IT-Spezialisten Mariano Glas, zum Abendessen. Dieser hatte bereits seit einigen Jahren eine Art Serien-Datenbank namens Serienjunkies am Laufen, allerdings als Einmannbetrieb ohne Redaktion.

"Nach mehreren Stunden Reden hatte ich beschlossen, zu kündigen und gemeinsam mit ihm Serienjunkies zu professionalisieren", erzählt Huge. Er lieferte die Technik, sie das Wissen über Betriebswirtschaft und Vermarktung. Finanziert wurde komplett aus eigener Tasche. "Das Geld von mir für die Finanzierung einer Redaktion reichte für ein Jahr. Würden wir es innerhalb dieser Zeit nicht schaffen, große Werbekunden ranzuziehen, hätte ich aussteigen müssen, sagt sie. Tatsächlich schrieb Serienjunkies bereits nach diesem Jahr schwarze Zahlen.