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HBO-Serie "Divorce":Sarah Jessica Parker will noch etwas haben vom Leben

Sarah Jessica Parker in der HBO-Serie "Divorce"

Frances (Sarah Jessica Parker, rechts) hasst ihren Job und schließlich auch Ehemann Robert.

(Foto: 2016 Home Box Office, Inc.)

Zwölf Jahre nach "Sex and the City" kehrt Sarah Jessica Parker ins Fernsehen zurück. Ihre neue Serie "Divorce" ist düster - und wirklich unterhaltsam.

TV-Kritik von Katharina Riehl

Die New York Times hat Sarah Jessica Parker vor zwei Wochen ein ausführliches Porträt gewidmet, das mit einer hübschen Episode beginnt. Parker, 51 Jahre alt, Mutter von drei Kindern und seit bald 20 Jahren mit dem Schauspieler Matthew Broderick verheiratet, bekommt, so erzählt es die Reporterin, einen Zettel von einem Fremden zugesteckt. Die Botschaft darauf: You're cute as a button - du bist total niedlich. Sarah Jessica Parker, schrieb das Blatt, bleibe in der Öffentlichkeit offenbar doch für immer Carrie Bradshaw aus Sex and the City , ein Symbol für die Unendlichkeit jugendlicher Möglichkeiten.

Anlass für das Porträt war etwas, das in der unübersichtlich gewordenen Welt amerikanischer Fernsehserien eine kleine Sensation ist. Zwölf Jahre nachdem die letzte Staffel von Sex and the City, einer der erfolgreichsten Serien überhaupt, zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt wurde, spielt Sarah Jessica Parker wieder eine TV-Hauptrolle. Abgesehen von zwei inhaltlich fragwürdigen Kinoversionen von Sex and the City drehte sie seit 2004 ein paar Filme und verdiente laut Forbes auch sehr viel Geld damit; im Medium Fernsehen aber, das aus ihr einen Weltstar gemacht hatte, war sie nach dem Ende von Sex and the City nicht mehr zu sehen.

An diesem Sonntag startet Divorce beim Sender HBO, für dessen Bedeutung Carrie, Miranda, Charlotte und Samantha, die vier ewigen Singlefrauen in New York, ihre Affären und ihre Schuhe, mindestens so wichtig waren wie das deutlich intellektuellere Mafia-Epos Sopranos. Sie habe, sagte Parker der New York Times, in all den Jahren danach nicht sehr intensiv nach einer neuen großen Serienrolle gesucht, sie habe schließlich Kinder, und es sei ja auch schön, wenn man die Freiheit habe, auch mal Nein zu sagen.

Sarah Jessica Parker nimmt sich die Freiheit, mal wieder Ja zu sagen

Sie pflegte stattdessen ihre eigene Marke, unter ihrem Namen gibt es heute Schuhe und Parfums zu kaufen. Als HBO sie dann aber mit der britischen Fernsehmacherin Sharon Horgan zusammenbrachte, und diese ihr die Idee zu Divorce präsentierte, nahm sich Sarah Jessica Parker die Freiheit, auch mal wieder Ja zu sagen.

Parker spielt Frances, eine verheiratete Frau mit zwei halbwüchsigen Kindern, sie lebt (größer könnte die Distanz zu Carrie Bradshaw kaum sein) in einem Vorort und arbeitet in einem Job, den sie nicht mag. Frances beschließt, der Name der Serie lässt es vermuten, sich von ihrem Mann Robert (Thomas Haden Church) scheiden zu lassen. Weil er die Witze aus dem Fernsehen immer wiederholt, anstatt über sie zu lachen. Weil sie ihn nicht mehr aushalten kann. Sie sagt den schönen Satz: "Ich will mein Leben retten, solange es mir noch etwas wert ist."

Es liegt natürlich nahe, die Serie Divorce und die Figur Frances als eine Weitererzählung, als eine etwas älter gewordene Carrie Bradshaw aus den Suburbs zu interpretieren. Am Ende von Sex and the City (und - ein erzählerisches Kunststück - auch am Ende beider Filme) stand die endlich endgültige Verbindung zwischen der New Yorker Beziehungs-Kolumnistin und dem immer schwer greifbaren Mr. Big. Aus dem Leben als Großstadtabenteuer mit dem Mann, der nie wirklich zu kriegen war, ist eine Haus-und-Garten-Existenz geworden, mit einem Mann, der nicht loszukriegen ist. Nur die erstaunlich oft wechselnden Mäntel der Hauptfigur erinnern an mondänere Zeiten.

Das Setting der Serie ist auf großartige Weise unglaublich frustrierend

So könnte man das sehen, man kann aber auch die ersten sechs Folgen anschauen und feststellen, dass Divorce wirklich unterhaltsam ist. Komischer, aber auch viel düsterer als Sex and the City, was natürlich am Thema liegt, aber nicht nur. In der Welt, in der Frances und Robert sich auseinanderlebten, fahren Männer mit Schnauzbärten Pick-up-Trucks, und Frauen träumen davon, endlich eine eigene Galerie zu eröffnen. Den Kindern ist der eine wie die andere unendlich peinlich und vor allem sehr egal.

Die Dialoge sind fantastisch, der Cast ist toll, das Setting auf großartige Weise unglaublich frustrierend. Die Geschichte der Endlichkeit jugendlicher Möglichkeiten.

Divorce, in der Nacht zu Montag abrufbar bei den Demand-Diensten von Sky.

© SZ vom 08.10.2016/jobr

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