Serien-Autor David Schalko Acht Folgen "Verkommenheit"

Aber die Mini-Serie Braunschlag war sein Durchbruch beim Massenpublikum, seither ist der 41-Jährige ein Popstar im eigenen Land. Fast eine Million Österreicher haben im vergangenen Jahr jede Folge der Kultserie gesehen. Dabei hat das Land insgesamt nur acht Millionen Einwohner. Die Geschichte von einer Marienerscheinung im fiktiven niederösterreichischen Dorf Braunschlag, die Böse kreativ und Kreative böse werden lässt, wo gesoffen, gehurt, betrogen, gelogen und gelacht wird, was die niederösterreichische Seele hergibt, wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert. Acht Folgen "Verkommenheit", sagt Schalko grinsend, "nahe an der Depression" - und zugleich zum Wegschmeißen komisch.

"Die Österreicher sind nicht dümmer als Deutsche"

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Was er mache, sei nicht "feuilletontauglich", räumt der Künstler ein, und man hört die Worte "zum Glück" durchschimmern. Österreichs Medien lieben ihn trotzdem, weil er wie ein Wiedergänger der Kaffeehausliteraten daherkommt: mittendrin, genau beobachtend, manchmal sarkastisch, nie zynisch, immer politisch. Er ist ein Quoten- und ein Qualitätsgarant. Fernsehdirektorin Kathrin Zechner wird hymnisch, wenn man sie nach Schalko fragt: "Er gehört zu den fordernden, kreativen Talenten Österreichs, der es schafft, seine persönlichen gesellschaftlichen und politischen Beobachtungen pointiert, scharf, aber vor allem phantasievoll in Geschichten umzusetzen. Er kann sein Publikum unterhalten, aber auch fordern. Er führt eine dramaturgisch feine Klinge, die notwendig ist, Grenzen - auch gesellschaftliche - zu reizen aber nicht überzustrapazieren."

"Zu skurril, zu schwarz" für Deutschland

Wow, möchte man rufen, aber Schalko selbst bremst gleich mal: Ja, schon, eine bitterböse, schräge Provinzposse wie Braunschlag wäre in Deutschland "undenkbar" gewesen, "zu skurril, zu schwarz. Das überschreitet das, was die Redaktionen dem deutschen Zuschauer zumuten wollen." Trotzdem sei der österreichische Markt auch nicht gerade das gelobte Land. Meist lande er mit seien Produktionen auch beim ORF "in der subversiven Ecke".

Beim BR gibt man sich gleichfalls theoretisch begeistert, aber: "Im Ersten gibt es für Braunschlag aufgrund seiner authentischen Dialektfassung leider keinen geeigneten Sendeplatz." Für das Dritte Programm überlegen sie noch. Schalko dazu, wieder grinsend: "Vielleicht stimmt es ja doch, dass Deutschland eine andere Fernsehtradition hat, dass nur Krimis funktionieren und man sich vor der Glotze vor allem von der Arbeit erholen muss?"

Derzeit arbeitet er wieder an einer Mini-Serie, Altes Geld, überwiegend mit denselben, großartigen Schauspielern, Kino- und Theaterstars wie zuvor. Mit Robert Palfrader, den er schon kannte, als der noch ein Kaffeehaus hatte. Mit dem Burgtheater-Star Nicholas Ofczarek. Sein Protagonist im neuen Projekt, Gert Voss, starb im Sommer, Schalko musste nachdrehen.

Wieder geht es um Dünkel und Dummheit, aber diesmal ist die Sache "weltläufiger" angelegt. Heimat und Welt eben. Und wieder soll es eine Komödie werden, denn Schalko mag das Wort Satire nicht. Deshalb schätzt er auch den berühmtesten der Kaffeehausliteraten, Karl Kraus, nicht. Er will nicht "verspotten", nicht denunzieren. Will Mitgefühl haben dürfen mit seinen Figuren, auch wenn sie "Arschlöcher" sind.

Im nächsten Sommer wird er sich drei Monate nach Indonesien zurückziehen, zum Schreiben. Das wäre dann ganz schön weit weg. Aber er will sich Zeit lassen, nicht jedes Jahr was raushauen, seine Geschichten "lange genug bewohnen". Außerdem: "Beim Schreiben soll es ja nicht gemütlich sein." Und gemütlich wäre es vermutlich nur in Wien.