Serien-Autor David Schalko Wiener Moderne

"Vielleicht stimmt es ja doch, dass man sich vor der Glotze vor allem von der Arbeit erholen muss?": Schalko.

(Foto: Schalko)

Seit David Schalko die bitterböse Provinzposse "Braunschlag" schrieb, ist er in Österreich eine Art Popstar. In Deutschland wäre so eine Serie undenkbar, glaubt er. Ein Treffen im Kaffeehaus.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Mit den Wienern ist das so: Wenn sie in der Stadt sind, wollen sie möglichst schnell weg, weil Wien so fürchterlich provinziell ist. Wenn sie dann aber weg sind, wollen sie möglichst schnell wieder zurück, weil Wien so schön provinziell ist. Mutmaßlich ist deshalb hier vor hundert Jahren die Kaffeehausliteratur entstanden: Man saß im Griensteidl oder im Central, las sich aus internationalen Zeitungen die Welt herbei, lebte im Zentrum einer Großmacht und musste doch nicht hinaus ins feindliche Leben.

Bei David Schalko klingt es so: "Die meisten Wiener, die wegziehen, um die Welt das Leben zu lehren, kommen nach zwei Jahren wieder." Drei Ausreden hätten sie dafür: "1. Die Welt ist einfach so unentspannt. 2. Im Ausland versteht man den einzigartigen Wiener Humor nicht. 3. Ich bin nur kurz hier, fahre aber morgen wieder weg."

Wien wundervoll

mehr...

Schalko lebt, sichtlich entspannt, von seiner Umwelt verstanden und dauerhaft, in: Wien. Wo sonst? Man trifft ihn, wie es sich für einen anständigen Wiener Autoren gehört, in einem Kaffeehaus. Allerdings nicht da, wo sich die Gesichtsprominenten treffen, sondern in einem Sozialprojekt für psychisch Kranke. Die Wien-Zitate stammen aus seinem Roman Frühstück in Helsinki, einem Frühwerk, in dem es, irgendwie, um einen Typen geht, der behauptet, er schreibe einen Roman über einen Typen, "der Wien verlässt, weil er glaubt, dass es überall besser ist als dort". In Wirklichkeit sucht er die Liebe, und Helsinki kommt nicht in Frage. Unter anderem, "weil Helsinki eine noch höhere Selbstmordrate hat als Wien".

Die Liebe hat Schalko gefunden, er ist mit einer Cutterin verheiratet. Aber Heimat und Welt sind ein Dauerthema, auch für ihn. Denn der Regisseur, Produzent, Buch-, Drehbuch- und demnächst auch Theaterautor macht - auf das Schönste - provinzielles Weltfernsehen.

Während die Sender in Österreich wie in Deutschland auf "betonierten Straßen fahren statt auf vereisten Wegen", wie Tausendsassa Schalko, der auch schon Lyrik verfasst hat, poetisch formuliert, während den ganzen Tag stumpfer Mainstream gesendet wird und sich die Zuschauer süchtig und verzweifelt staffelweise House of Cards oder Breaking Bad reinziehen, gibt es da einen, der kann auch anders. Einer wie er könnte einem glatt das Internetfernsehen und amerikanische Serien verleiden, weil seine Arbeiten so gut sind. Schade nur, dass man sie in Deutschland praktisch nicht sehen kann.

Er hat mit Josef Hader gearbeitet, erfolgreiche Politsatiren gemacht, ein "Mockumentary" über Österreich als Fußball-Weltmeister erfunden und die Late-Night-Show Willkommen Österreich mit dem legendären, deutsch-österreichischen Duo Stermann & Grissemann produziert. Alles originell, alles witzig, alles neu.